:

Eklige Ethik – Kolumne

 9. Mai 2014  Volker Kunze  
Volker Kunze
Kolumnist auf 3D.GRZLS Volker Kunze über „Die 3½te Dimension

3D.GRZLS-Kolumnist Volker Kunze schreibt über Sinn und Unsinn Lebensmittel mit dem 3D-Drucker herzustellen, vergleicht mit anderen Nischen-Lebensmittelprodukten, anderen Ländern, sich ändernden demographischen Anforderungen und kulturellen Eigenheiten unserer Gesellschaft, der es oftmals einfacher zu fallen scheint, Unsinn zu sehen als Sinn zu erkennen.

Essen aus dem 3D Drucker – ich muss zugeben, dass ich Anfangs auch ein wenig die Nase rümpfte und erfahre in vielen Diskussionen gleiches bei Mitdiskutanten, gerade wenn das Thema neu für sie ist. Wenn dann noch Verwertung von Algen oder Insekten mit hinzukommt… aber der Reihe nach.

Zuerst war da ein Artikel vom US-Futuristen Simon Anderson, mit dem ich in Wien zusammen in einem Panel „Zur Zukunft & Zukunft des Lernens“ gesessen habe, „Eating Optional – The Future of Food“ http://www.futur1st.com/eating-optional-the-future-of-food/ und das in der Phase als ich gerade als engagierter Outdoor-Koch überlegte, welche Finessen an Vor-, Haupt- und Nachspeisen demnächst aus meinen drei Grills wandert.

Nachdem sich die innere Empörung aber gelegt hat blieben die Punkte Langeweile, Kosten, Ressourcen, Gesundheit und Ökologie. Gerade die beiden letzten Themen sind ja in letzter Zeit auch in Deutschland sehr oft behandelt worden und führten auch zu der Frage:

Warum muss ein vegetarisches Gericht wie Fleisch aussehen?

Veganes/ Vegetarisches Hähnchen aus Soja
Vegetarisches/ Veganes BRathähnchen aus Soja (Bild © shopblogger.de)

Da gab es letztens einen TV-Bericht zu einer Vegan-/Vegetarischen Messe und Bildern von Veggie-Burgern, Würstchen und einem halben Soja-Huhn und die Frage war: Warum muss das wie Tier aussehen? Erklärt wurde, dass innerhalb einer Generation dieser Effekt verschwinden würde, da man bisher immer Fleisch mit wichtigen, benötigten Inhalten gleich setzte. Da man nun weiß, dass man sich auch alternativ das meiste zuführen kann, wird man auf die Optik verzichten können und das auch immer weniger als Krücke benötigen, wenn man denn fleischlos glücklich sein möchte.

Der Leser merkt schon: In Form gepresst ist ja wie 3D gedruckt. Wie eine Tiefkühlpizza mit Formfleisch & hoffen wir einmal echtem Formkäse. Und nimmt man viele Gerichte des heutigen Lebens ist ein Großteil ja schon maschinell gefertigt, aus Breien und püriertem in Form gebracht – ja, auch in Sachen wie Naturdarm… die leckere Bratwurst… man macht sich ja keine Gedanken… zur Vorgeschichte…

Reise nach Jerusalem

Immer wieder wird von der Bevölkerungsexplosion gesprochen – 2013/14 7,2 Milliarden und jedes Jahr 78 Millionen hinzu. Aber das ist es nicht alleine: Haben früher fast nur die Industrienationen viel und auch ressourcenintensives verkonsumiert kommen die aufstrebenden Nationen mit hinzu. Lang sind die Zeiten vorbei, da in Asien fast nur Reis und Gemüse konsumiert wurde – zum Aufschwung gehören auch „werthaltigere“ Lebensmittel und gerade die Ökobilanzen von Rind, Schwein Geflügel aber vor allem auch Käse zeigen, dass ein Vielfaches benötigt wird um etwas Einmaliges zu produzieren.

Immer wieder hört man von schier unerschöpflichen Quellen wie Algen  und Insekten, wobei sich viele mit Grauen abwenden. Sieht man jedoch, dass heutzutage rote Schildläuse (E120 z.B. in Joghurt u.v.m) und vieles anderlei Getier und Zermahlenes in unser Essen kommt, von dem wir lieber nicht die Herkunft wissen möchten – Beispiel Gelatine – ist doch die Frage, ob man, wenn man nicht das Originalprodukt sieht, die enormen Vorteile dieser Ressourcen nutzen kann und sie beimengt? Geschmacklich wird das mit Sicherheit kaum einen Unterschied machen. Und die Inhaltsstoffe sind bestimmt besser als Sehnen, Knorpel, Knochen, negatives Fett, ….

Man weiß doch gar nicht, was die uns da alles reinmischen

Gut, dass wir das auch schon in den letzten Jahrzehnten nicht wissen: Gammelfleisch, Dioxin, Analogkäse, Analogschinken, Pferd in der Lasagne, umettiketiertes Olivenöl. Die bekannten (und vielfach schon wieder vergessenen Beispiele) findet man auch hier.

Da ist mir doch lieber genau geprüfte & deklarierte Inhaltsstoffe und Aromen zu haben als unappetitliche Resteverwertung. Aber weiter:

Boah, nicht schon wieder XYZ!

(XYZ=beliebig mit sich wiederholenden Mahlzeiten, nicht Leibspeisen, austauschbar)

Es ist ja nicht – bei jedem – jeden Tag „das Highlight“ auf dem Tisch und je älter man wird, desto öfter ist man in der Situation einfach etwas zu sich zu nehmen, was den Hunger stillt und den Bedarf deckt. Möglichst einfach und schnell zudem nahrhaft erstellt. Dann aber am Wochenende ein saftiges Steak, oder was man auch immer gerne mag, ein Highlight eben, ein Essen mit Freunden, Ambiente, geniessen.

Ob man jetzt nur „das Gute“ aus dem Fleisch haben möchte, wie es auch Modern Meadow propagiert, die eben schon Fleisch „nachbauen“ und den bösen Rest weglassen, ist wieder eine andere Frage, genau wie die der Konstistenz. Aber ist das alles nicht eine Frage von Luxus?

Essen aus dem 3D-Drucker
Nahrung aus dem 3D-Drucker bringt Vorteile für Menschen mit bspw. Allergien und auch Senioren mit Problemen beim Schlucken – Grundsätzliche negativ eingestellte Menschen sehen das aber natürlich nicht (Bild © BIOZOON).

Nicht unbedingt, wie wir jetzt schon gelesen haben, kann man auch teuren Müll kaufen – und Müll sagt eben nur, dass es aus Gewinnmaximierung und böser Absicht nicht das ist, was es scheint. Der wahre Luxus ist aber, wenn man es sich leisten kann zu wählen, was man kauft und isst – was aber ist mit – abgesehen von denen, die es sich nicht leisten können und keinen Zugang zu dieser Auswahl haben – benötigten Diäten, glutenfreie Ernährung, Allergien, Senioren die Probleme mit Kauen oder Schlucken haben?

Und gerade wenn Berichte zu solchen Innovationen auftauchen, sind sofort die Mäkler wieder da „was die da alles reinmischen können!“ (Ach!?) – „immer so eine breiige Pampe, niemals!“ (Ach²!?) – „so etwas kommt mir nie ins Haus!“ (Ach³!?) um nur ein paar zu nennen und wenn man dann mit Sachargumenten und Beispielen aus der aktuellen Versorgungslage kommt, dann merkt man einen Stimmungswechsel und gerade die ganzen Lebensmittelskandale, aber auch der Wandel im Konsum und Fragen nach der Herkunft beschäftigen immer mehr Menschen – die es zudem Leid sind nicht genau ausgewiesen zu bekommen, was sich denn nun alles in dem Nahrungscocktail befindet.

Und so werden am Ende menschliche Bedürfnisse individuell erfüllt – ob freiwillig, gesundheitlich oder ethisch bedingt. Jeder nach seinem Geschmack.

Euer Volker Kunze!

Hilf uns Dinge zu verbessern. Bewerte den Artikel:

0 0

Anzeige

3D-Drucker-Newsletter – kostenlos anmelden:

Teile den Link zu dieser Seite:

Klicken Sie einfach auf das Formularfeld und kopieren Sie sich den Link heraus.

Klicken Sie einfach auf das Formularfeld und kopieren Sie sich den Link heraus.

Klicken Sie einfach auf das Formularfeld und kopieren Sie sich den Link heraus.

Autor: Volker Kunze

Als 3D-Druck Evangelist versucht Volker Kunze unentschlossene Personen für die 3D-Druck-Technologie zu interessieren und begeistern. Der Titel "Evangelist" erklärt sich aus der Wortbedeutung des griechischen Stammwortes "Evangelium", welches sich mit "die gute Nachricht" übersetzen lässt. So sind "Learning Evangelists" in der Regel Begeisterungsträger.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.