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Deutschland - armes 3D-Druckland & ein Hammer - Kolumne

3D.GRZLS-Kolumnist Volker Kunze schreibt zur augenscheinlichen Bedeutung des 3D-Drucks in den Augen der deutschen Bundesregierung, sieht #Neuland, erläutert offene und gegangene Wege der Regierung zu Förderungen und Nicht-Förderungen, zum Einsatz und Nicht-Einsatz von 3D-Druck in deutschen Bildungseinrichtungen und zieht Vergleiche von Deutschland mit dem Ausland.

Zu meiner Historie ist zu erwähnen, dass ich seit 20 Jahren im Print/Publishing/Training/Development/Learningbereich unterwegs bin und schon vieles gerade in Bezug auf Bildung und Förderprogramme der Länder, des Bundes und der EU erleben durfte.

Volker Kunze

Kolumnist auf 3D.GRZLS Volker Kunze über „Die 3½te Dimension

Wobei es den meisten Förderprogrammen mangelt, ist das Ergebnis. Zu gefühlt 90% nehmen immer dieselben Institutionen und Firmen teil, die sich bei neuen Fördermöglichkeiten zusammen suchen, dann den geplanten Zeitraum vor sich hin arbeiten, zu Fixpunkten ein Lebenszeichen senden und am Ende x-fache Kopien der Dokumentation der Mittelgebenden Behörde übermittelt werden – vielfach ohne großartig brauchbare oder zumindest kostenwerte Ergebnisse.

In Deutschland kommt noch ein weiteres, ganz böses Hindernis hinzu: Die 16 Kultusministerien in den Bundesländern, die an ihren eigenen Bildungssystemen basteln und die kleinen Könige/Königinnen natürlich nichts von ihrem Einflussbereich abgeben möchten – und es somit nie eine bundesweite, mit genügend Geldmitteln ausgestattete Initiative zu einem Thema geben kann. Somit werden 16 Mal Energien verschwendet um „das Rad neu zu erfinden“, die Ergebnisse bei Leistungsschauen – sprich Messen – als goldene Kühe der staunenden Öffentlichkeit präsentiert, „wie toll das doch alles ist, was bei uns im Bundesland entwickelt wird“.

Was interessiert mich im Geschäftsbereich die Bildungsproblematik?

Nun, ich habe viele Projekte erlebt, in denen ich mit einer Firma nicht teilnehmen konnte, weil ich aus der falschen Stadt, dem falschen Bundes- oder dem falschen Land kam. Und als Beispiel: Ein Bundesland stellt 5 Millionen pro Jahr für einen Bereich zur Verfügung, 5 Projekte werden gefördert, an dreien ist eine lokale Universität beteiligt, insgesamt 12 mal Firmen aus dem Bundesland wobei das am Ende nur vier echte einzelne Firmen sind.

Würde man das bundesweit betreiben, hätte man grob gesagt das 16-fache Volumen und 16 mal weniger Redundanzen beim Aufwand – und was könnte man mit 80 Millionen Euro nicht alles bewegen!?

Damit kommen wir einmal zu dem, was uns als Land der Dichter und Denker, als Nation fast ohne Bodenschätzen aber als Hort der Hochtechnologie denn zum Beispiel 3D-Druck wert ist – zunächst aber zur Einstimmung ein kurzer Blick ins Ausland:

  • Japan – hat erkannt, dass man den USA und auch Europa beim 3D Druck hinterherhinkt. Für diesen Bereich hat das Ministerium 2014 deswegen ein Budget von 32,8 Millionen Euro bewilligt, dass dann in 2015 noch über Universitäten und Fachhochschulen hinaus in mittlere und höhere Schulen erweitert wird.
  • USA – Obama hat gerade zwei neue Innovation-Hubs angekündigt, die mit je 140 Millionen $ aus Bundes- und noch einmal aus anderen Quellen gespeist werden – also 280 Millionen $ nur für diese beiden Hubs.

Die Lage in Deutschland

Hammer und Deutschland Flagge

„Deutschland – armes 3D-Druckland & ein Hammer“

Und nun zur Lage der Nation: Eine sehr umfangreiche Kleine Anfrage der SPD zum Thema „Stand und Perspektiven der Erforschung und des Einsatzes von 3D-Druckern“ erreichte die Regierung mit der Drucksache 17/13586 am 15.05.2013. Diese wurde mit der Drucksache 17/13734 vom 05.06.2013 beantwortet – mit vielen Worten.

Dabei wurden die Anstrengungen zusammengefasst dargelegt und mit rund 21 Millionen Euro Fördermitteln des Bundes beziffert… in den letzten 10! Jahren zusammen. Das ist pro Jahr ungefähr das, was das aktuelle Kickstarter-Projekt „The Micro“ bisher in 3 Tagen einbrachte. Also: USA für zwei neue Hubs 280 Millionen $, Japan 32,8 Millionen € nur für Universitäten und Fachhochschulen in 2014 (aktuell noch +38,6 Mio. $ für nationale Projekte) und Deutschland 2,1 Millionen/Jahr für „alles rund um 3D Druck“.

Immerhin findet sich noch ein Augenwischer-Passus in der Antwort – wie immer blumenreich und nichtssagend: „Im Rahmen des Agendaprozesses „Photonik 2020“, der im Jahr 2010 gestartet wurde und dessen Ergebnisse 2011 in das Förderprogramm „Photonik Forschung Deutschland“ mündeten, wurden additive Fertigungsverfahren und deren Einbindung in Prozessketten als wichtiges Zukunftsthema identifiziert. Gleichzeitig stellte sich heraus, dass zur breiten Nutzung des Potenzials dieser Technologien noch erheblicher Forschungsbedarf besteht. Zur Vorbereitung geeigneter Fördermaßnahmen fand im Oktober 2012 im BMBF ein Fachgespräch mit führenden

Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft statt. Im November 2012 hat das BMBF ein Expertenforum initiiert, bei dem Perspektiven und Chancen additiver Fertigungsverfahren intensiv diskutiert wurden. In der Folge hat das BMBF zwei FuE-Fördermaßnahmen erarbeitet und im März 2013 veröffentlicht. Dafür stellt das BMBF insgesamt 50 Mio. Euro zur Verfügung.“

Also für den gesamten Agendaprozess „Photonik 2020“ – wie viel 3D-Druck bis 2020 dabei ausmacht, ist nicht ausgewiesen. Eine aktuelle Nachfrage beim BMBF brachte hervor (ohne jetzt klar zu legen in welchen Zeiträumen man denkt):

„Laut BMBF werden im Programm „Photonik Forschung Deutschland/Optische Technologien“ keine laufenden Projekte im Bereich additives Fertigungsverfahren gefördert. In Vorbereitung sind aber Projekte mit einer Gesamtsumme von 20 Millionen Euro. Im Rahmenprogramm „Werkstofftechnologie für Industrie und Gesellschaft“ werden aktuell 3,3 Millionen Euro für den Bereich ausgegeben. Weitere Projekte mit einer Gesamtsumme von mindestens 5 Millionen Euro sind in Planung. Auch im Bereich „Forschung für die Produktion von morgen“ werden zurzeit im Bereich additive Fertigung Projekte im Wert von 3,2 Millionen Euro unterstützt, weiterhin sind Projekte mit einer Gesamtsumme von 3,7 Millionen Euro in Vorbereitung.“

Deutschland: Gefahren statt Chancen

Also in „Vorbereitung, Planung, Vorbereitung“ – dafür aber die „Gefahren“: „Rechtliche Herausforderungen, die aus dem Einsatz von 3D-Druckern resultieren können, sieht die Bunderegierung im Bereich des Verbraucherschutzes und des Waffenrechts.

Über 3D-Druck-Online-Plattformen können Laien selbstkonstruierte Gegenstände mittels 3D-Druckverfahren herstellen lassen und zum Kauf anbieten. Damit besteht die Gefahr, dass in größerem Umfang nicht sachgerecht ausgelegte Produkte in Umlauf gebracht werden und im schlimmsten Fall dem Verbraucher Schaden zufügen.

Auch wenn die Dienstleister in ihren AGB auf solche Gefahren ausdrücklich hinweisen, sind diese eingeschränkten Nutzungsmöglichkeiten der dort angebotenen Gegenstände für den Verbraucher nicht ohne weiteres erkennbar. Eine gefüllte Espresso-Tasse suggeriert, dass die gedruckte Tasse tatsächlich auch gefahrlos zum Trinken von Espresso genutzt werden kann. Gleiches gilt für einen Lampenschirm. Der Verbraucher ist es gewohnt, dass dieser so konstruiert ist, dass er sich bei zweckentsprechender Benutzung z. B. nicht entzünden kann.

Wenn der 3D-Druck in Zukunft dazu führt, dass vermehrt Laien Produkte konstruieren und in Verkehr bringen, besteht aus Sicht der Bundesregierung rechtlicher Handlungsbedarf bei der Stärkung des Verbraucherschutzes.“ Gut, dass die noch nicht gesehen haben, dass MCOR gerade einen Hammer aus Papier in 3D druckte… was das wohl für die Kontrollen an Flughäfen bedeuten wird!?!

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