Für die Expo 2025 in Osaka entsteht derzeit ein besonderes architektonisches Projekt: Ein öffentliches Toilettengebäude, das mit robotergestütztem 3D-Druck aus lokalem Lehm gefertigt wird. Entwickelt wurde die Struktur vom italienischen Unternehmen WASP in Zusammenarbeit mit Shigeru Ban Architects. Die Anlage ist Teil des italienischen Pavillons und versteht sich nicht nur als Infrastrukturmaßnahme, sondern als ein Lehrstück nachhaltigen Bauens im digitalen Zeitalter.

Digitale Bauweise mit natürlichen Materialien
Die Grundstruktur des Gebäudes basiert auf lokalem Erdmaterial, das durch ein magnesiumhaltiges Härtungsmittel biologisch abbaubar gemacht wird. Schicht für Schicht trägt ein 3D-Drucker die Lehm-Paste auf und formt so die organisch geschwungenen Wände des Gebäudes. Dieses additive Verfahren ermöglicht eine weitgehende Reduktion von Arbeitskräften und verkürzt die Bauzeit erheblich – ein Vorteil, der vor dem Hintergrund weltweiter Arbeitskräftemängel in der Baubranche zunehmend relevant wird.
Trotz der Präzision des 3D-Drucks bringt die Bauweise auch Herausforderungen mit sich: So kann das Material beim Trocknen schrumpfen oder sich verziehen, was zu Abweichungen vom digitalen Entwurf führt. Die dadurch entstehenden Unregelmäßigkeiten verleihen der Struktur jedoch eine handwerkliche Ästhetik und machen jedes Bauwerk zu einem Unikat.

Nachhaltigkeit im Fokus: Kreislaufwirtschaft und Kompostierbarkeit
Die Bauweise folgt den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft. Zum einen sind die verwendeten Materialien so gewählt, dass sie nach ihrer Nutzung in den natürlichen Stoffkreislauf zurückgeführt werden können. Zum anderen werden in der Herstellung beispielsweise gebrauchte Kunststoffpaneele zerkleinert und als Sekundärmaterial für neue Druckprozesse genutzt.
Auch gestalterisch orientiert sich das Projekt an natürlichen Vorbildern: Die Toilettenstrukturen erinnern in ihrer Formensprache an Erosionsprozesse und harmonieren mit der sie umgebenden Landschaft. Architekt Hamada, zuständig für das Gebäudedesign, betont, dass die Anlagen nicht nur funktional sein sollen, sondern Aufenthaltsqualität bieten – mit dem Ziel, Architektur und Natur in Einklang zu bringen.
Das Projekt wird durch das italienische Außenministerium sowie das Generalkonsulat in Osaka unterstützt. Die Fertigstellung ist für Frühjahr 2025 geplant.
Video zum Projekt
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