Fertigung der Zukunft:

Interview mit Joe DeSimone, CEO von Carbon, über die Zukunft des 3D-Drucks

 28. April 2017  Sandra Berk  

In den US-Medien ist ein interessantes Interview mit Joe DeSimone, CEO vom 3D-Drucker-Hersteller Carbon, erschienen, in dem er über die Zukunft des 3D-Drucks berichtet. Wir möchten hier einmal die wichtigsten Aussagen für Sie zusammenfassen, wie DeSimone die Zukunft von Carbon und des industriellen 3D-Drucks im Allgemeinen einschätzt.

Joe DeSimone
Joe DeSimone: CEO von Carbon (Bild © 3dprint).

Joe DeSimone gründete im Jahr 2013 das Unternehmen Carbon. In einem Interview mit dem US-Magazin 3Dprintingindustry.com gibt er Einblicke in das Adidas Projekt, die Verwendung von Meta-Materialien und warum der pulverbasierte 3D-Druck Probleme bekommen wird.

Carbon macht seit nunmehr über 3 Jahren immer wieder Schlagzeilen mit seinen Fortschritten in der Druckgeschwindigkeit additiver Herstellung (Übersicht aller Nachrichten). Angeblich haben sie den „Code geknackt“, wie man schnell und trotzdem hochqualitativ dreidimensional drucken kann. Daraus soll noch eine Zusammenarbeit mit BMW und General Electric entstehen. Ford, Oracle und Adidas nutzen schon mit „CLIP“ das High-Speed-Verfahren und industriellen 3D-Druck von Carbon.

3D-Drucker
Die SpeedCell Fabrik für schnelle 3D-Drucke (Bild © Carbon).

„Schafft das Prototyping ab“

Durch den rasant schnellen Druck soll das Prototyping eingespart werden. Designer und Ingenieure schaffen häufig kreative Entwürfe, die jedoch nicht vergrößert werden können. Mit Adidas hat Carbon gleich begonnen verschiedene Versionen eines Schuhs zu drucken. Damit kann das neue Produkt schneller auf dem Markt eingeführt werden. Und die Produktion verlagert sich zurück in das Land, in dem verkauft werden soll.

DeSimones jahrelange Erfahrungen bringen ihn zu der Erkenntnis, das Prototyping zu stoppen und sich auf die Produktion zu konzentrieren. Dafür braucht es Qualität, Geschwindigkeit und Reproduzierbarkeit. Die Wechselwirkung zwischen Hardware, Software und Materialien muss dokumentiert werden. Dafür soll im Projekt mit Adidas ein Algorithmus entstehen, der auf jahrelanger Datensammlung des Unternehmens und dem Finite Element Analysis-Tool (FEA) von Carbon basiert. Dabei kann jeder Schritt in der Produktion verfolgt und nachvollzogen werden. Das ist eine Weiterentwicklung für den Kunden.

3D-gedrucker Schuh
Der Adidas Schuh aus dem 3D-Drucker (Bild © Carbon).

Das Geheimnis hinter einer hohen Druckgeschwindigkeit additiver Fertigung ist die Software-Kontrolle über chemische Flüssigkeiten. Flüssigkeiten sind skalierbar, veränderbar, manipulierbar. Man kann sie mischen um gewünschte Eigenschaften zu erhalten. Die chemische „Wundermischung“ wird dann mit Licht und Wärme bearbeitet. So wurden auch die neuen Adidas Schuhe mit dem 3D-Drucker hergestellt.

3D-Druck Flüssigkeit
Die chemische Flüssigkeit wird im 3D.Drucker mit Licht und Wärme bearbeitet (Bild © Carbon).

Diese hochkomplexen Tools sollen natürlich nicht nur für Schuhe verwendet werden, sondern für Autos, Flugzeuge und in der Medizin Anwendung finden. Weitere Zukunftsaussichten für den 3D-Druck und Carbon, liegen in Meta-Materialien aus einem Elastomer und Gitterstrukturen. Das wurde vielseitig belächelt, doch der CEO von Carbon ist sehr davon überzeugt dass sich solche Meta-Materialien durchsetzen werden. Ohne Gitter wären Biomimikry, Gebäude und Brücken nicht möglich. Sein akademischer Hintergrund und seine Erfahrung geben DeSimone Sicherheit.

Wir von 3d-grenzenlos sind gespannt, wie es weitergeht und ob DeSimone recht behalten wird. Bleiben Sie mit uns gut informiert (Newsletter abonnieren).

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