Wir haben mit dem Rechtsanwalt, Herausgeber und Co-Autor des Handbuches „3D Printing: Recht, Wirtschaft und Technik des industriellen 3D-Drucks“ zu wichtigen Rechtsfragen beim industriellen 3D-Druck und der Additiven Fertigung gesprochen. Im Interview gibt uns Andreas Leupold viele interessante Einblicke in seine langjährigen Erfahrungen als Anwalt für neue Technologien und Gründungsmitglied und Beirat des 3D-Druck Netzwerkes „Mobility goes Additive“, zum dem auch die Deutsche Bahn und Airbus gehören.

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Dr. Andreas Leupold
Rechtsanwalt Dr. Andreas Leupold und Autor des Werkes „3D Printing: Recht, Wirtschaft und Technik des industriellen 3D-Drucks“ (Bild © Susanne Krauss, mit Genehmigung von Andreas Leupold).

3D-grenzenlos Magazin: Erst kürzlich ist das Handbuch 3D Printing erschienen. Was war die Motivation für ein solches Werk?

Dr. Andreas Leupold: Wir erleben gerade die Industrialisierung des 3D-Drucks, die in den vergangenen Monaten weiter Fahrt aufgenommen hat. Als langjähriger Anwalt für neue Technologien und auch als Gründungsmitglied und Beirat des 3D Druck Netzwerkes Mobility goes Additive verfolge ich diese Entwicklung schon seit mehreren Jahren und habe mich durch diverse Besuche bei und Interaktionen mit den führenden Unternehmen im Bereich der additiven Fertigung von den Vorteilen dieser Technologie für große und mittelständische Unternehmen und deren Kunden überzeugen können.

Daraus entstand der Wunsch ein interdisziplinäres Werk zu schaffen, in dem die Industrie, die Forschung, Juristen und Experten aus der Wirtschaft und Technik den industriellen 3D-Druck mit all seinen unterschiedlichen Facetten darstellen. Mit dem Handbuch 3D Printing: Recht, Wirtschaft und Technik des industriellen 3D-Drucks wollen wir denjenigen, die vor der Entscheidung stehen, in die additive Fertigung zu investieren oder diesen Schritt schon getan haben einen einfachen Zugang zu den rechtlichen, wirtschaftlichen und technischen Gesichtspunkten verschaffen, die es dabei zu berücksichtigen gilt.

Gerade in einem sich so rasch und ständig weiterentwickelnden Bereich wie dem des 3D-Drucks können Rechtsfragen entscheidend für die Kosten- und Risikovermeidung sein, und müssen rechtzeitig bedacht werden. Leider erfahren sie aber oft nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdienen und werden erst berücksichtigt, wenn schon kostenintensive Rechtsprobleme aufgetreten sind. Unser Werk soll helfen zu erkennen, wo gehandelt werden muss.

3D-grenzenlos Magazin: Wer hat am Handbuch 3D Printing mitgewirkt?

Dr. Andreas Leupold: Über 30 namhafte Experten aus der Industrie den Rechtswissenschaften, der Forschung und Technik – unter ihnen Experten aus Unternehmen wie Airbus, der Linde AG, Allianz, Deutsche Bahn und voestalpine ein ehemaliger Vorsitzender des Patentsenats beim Bundesgerichtshof, ein praxiserfahrener Anwalt im Bereich IT-Recht und Datenschutz, eine Richterin am Landgericht München, ein Medizinrechtsexperte sowie Forschungsinstitute wie das Fraunhofer Institut und das Wehrwissenschaftliche Institut für Werk- und Betriebsstoffe (WIWeB) haben an unserem Handbuch 3D Printing: Recht, Wirtschaft und Technik des industriellen 3D-Drucks mitgewirkt, um einen praxisnahen und fundierten Überblick über den industriellen 3D-Druck zu bieten. Das Vorwort zu diesem Buch hat der international anerkannte 3D-Druck Experte und Berater Terry Wohlers verfasst.

3D Printing: Recht, Wirtschaft und Technik des industriellen 3D-Drucks

3D Printing: Recht, Wirtschaft und Technik des industriellen 3D-Drucks
  • 771 Seiten - 02.10.2017 (Veröffentlichungsdatum) - C.H.Beck (Herausgeber)

3D-grenzenlos Magazin: Welche Themen werden darin behandelt?

Dr. Andreas Leupold: Das Handbuch 3D Printing bietet eine ganzheitliche Betrachtung des Themas 3D-Druck & Additive Manufacturing und reicht von den technischen Grundlagen über die betriebs- und volkswirtschaftlichen Herausforderungen bis hin zu den juristischen Fragen, die einen Schwerpunkt des Buches bilden. Zahlreiche Praxisbeispiele, Übersichten und Abbildungen runden die Darstellung ab.

3D-grenzenlos Magazin: Für wen ist das Handbuch geeignet?

Dr. Andreas Leupold: Das Handbuch 3D Printing eignet sich für CEOs, Unternehmer, Bereichsleiter, Justiziare & Rechtsabteilungen, Anwälte und Betriebswirte und alle Leser, die sich mit den verschiedenen Facetten des industriellen 3D-Drucks auseinandersetzen wollen. Auch Ingenieure, die sich mit den rechtlichen und wirtschaftlichen Aspekten der additiven Fertigung vertraut machen müssen, können dazu das Handbuch nutzen. Sowohl Unternehmen, die schon mit der additiven Fertigung befasst sind, als auch solche, die in die additive Fertigung einsteigen möchten, können viele wertvolle Informationen im Handbuch 3D Printing finden.

3D-grenzenlos Magazin: Welche Rechtsfragen sind für Unternehmen im industriellen 3D-Druck
besonders wichtig und warum?

Geschäftsgeheimnisse sind die Kronjuwelen eines jeden Unternehmens und müssen daher besonders geschützt werden.

Dr. Andreas Leupold: In der additiven Fertigung gibt es kaum einen Bereich, der keine Rechtsfragen aufwirft. Dies liegt vor allem daran, dass beim 3D-Druck aus Daten Produkte erzeugt werden und grundsätzlich jeder, der Zugriff auf das 3D-Modell bzw. die Druckdaten hat und mit den additiven Fertigungsverfahren vertraut ist, das Produkt herstellen kann. Unternehmen die selbst additiv fertigen oder Dienstleister damit beauftragen, müssen deshalb dafür sorgen, dass in ihrer gesamten Lieferkette die nötige Datensicherheit gewährleistet ist und Unbefugte keinen Zugriff auf die Konstruktions- und Produktionsdaten nehmen können. Die neue EU Know-how Schutzrichtlinie verlangt dafür angemessene technische Schutzmaßnahmen, ebenso wichtig ist aber auch die vertragliche Absicherung durch den Abschluss von Industrial Security Agreements und Non Disclosure Agreements, die mehr leisten müssen als die bislang üblichen Vertraulichkeitsvereinbarungen. Geschäftsgeheimnisse sind die Kronjuwelen eines jeden Unternehmens und müssen daher besonders geschützt werden.

Auch die persönliche Haftung des CEOs, Vorstands oder Geschäftsführers ist ein Thema, das von vorneherein besondere Aufmerksamkeit verdient. Unternehmen, die additiv fertigen, müssen sich zudem noch mehr als bisher Gedanken darüber machen, wie sie den Urheberrechtsschutz, Markenschutz und Designschutz zur Abwehr von Produktpiraten nutzen können und ob sie sich hierzu auf von ihnen erworbene Patente stützen können.  Es ist deshalb sehr sinnvoll für jedes Unternehmen, das im Bereich 3D Druck oder additive Fertigung tätig ist, einen „Rechts-Checkup“ (ähnlich der Hauptuntersuchung beim PKW) machen zu lassen. Das ist oftmals kostengünstiger als erst zu reagieren, wenn Probleme schon entstanden sind.

3D-grenzenlos Magazin: Gibt es den fälschungssicheren 3D-Druck?

Dr. Andreas Leupold: Heute gibt es bereits verschiedene Lösung um die Rückverfolgbarkeit („Traceability“) von Produkten sicherzustellen. Dazu werden z.B. Markierungen in oder auf den Druckerzeugnissen angebracht, die eine ähnliche Funktion wie ein Wasserzeichen haben und mit deren Hilfe sich ermitteln lässt, ob das gekennzeichnete Erzeugnis von einem bestimmten Originalhersteller stammt oder nicht. Da solche Markierungen auch äußerlich unsichtbar in das Druckerzeugnis implementiert werden können, sind sie ein kostengünstiges und effektives Mittel zur Bekämpfung der Produktpiraterie. Außerdem ermöglicht es der 3D-Druck die Herstellung von Produktimitationen durch ein „Design for Protection“ zu erschweren. Mehr dazu findet sich im Kapitel zur fälschungssicheren Produktion.

3D-grenzenlos Magazin: Wem gehören denn eigentlich die Druckdaten?

Dr. Andreas Leupold: Das ist eine sehr wichtige aber derzeit noch ungeklärte Frage. Tatsächlich kennt unsere Rechtsordnung nämlich grundsätzlich nur ein Eigentum an Sachen, also körperlichen Gegenständen, nicht aber an Daten. Schon die Konstruktionsdatei und das 3D-Modell bestehen aber aus nichts anderem als Daten und diese Daten kann man ohne Übertreibung als die neuen Kronjuwelen der Unternehmen bezeichnen, da sie nicht selten die „Blaupause“ für neue Produkte enthalten. Außerdem werden während des Druckvorgangs große Datenmengen erzeugt, die Aussagen über die Herstellungsparameter zulassen und für die Qualitätskontrolle benötigt werden.

Die EU-Kommission hat inzwischen erkannt, dass hier Regelungsbedarf besteht und prüft nun, ob ein neues Datenproduzentenrecht geschaffen werden soll. Derzeit ist derjenige defacto Eigentümer, der die Kontrolle über die Daten hat und das ist nicht immer derjenige, dem sie auch zustehen sollten. Unternehmen, die nicht die Herrschaft über ihre Konstruktions- und Maschinendaten verlieren wollen, müssen deshalb vertraglich regeln, wer welche Rechte in der Digitalen Supply Chain an welchen Daten erlangen soll.

3D-grenzenlos Magazin: Welche Rolle spielt das Qualitätsmanagement im industriellen 3D-Druck?

Dr. Andreas Leupold: Dem Qualitätsmanagement kommt im industriellen 3D-Druck erhebliche Bedeutung zu, weshalb ihm im Handbuch 3D Printing ein eigenes Kapitel gewidmet wurde. Nachdem 3D-Druckverfahren in den vergangenen Jahren vorwiegend im Prototypenbau eingesetzt wurden, stehen wir heute an der Schwelle zur additiven Serienfertigung. Die Herstellung größerer Stückzahlen setzt aber voraus, dass sich auch mit additiven Verfahren Ergebnisse mit konstanten Eigenschaften erzielen lassen, die sich innerhalb vorgegebener Toleranzen halten.

Im Handbuch 3D Printing wird deshalb ein Intelligent Quality Management Process-Modell (QMP) vorgestellt, das dabei helfen kann, dieses Ziel zu erreichen. Unternehmen, die ihre additive Fertigung auf Dienstleister auslagern, sollten außerdem auf jeden Fall Qualitätssicherungsvereinbarungen schließen, in denen die Anforderungen an das Endprodukt hinreichend detailliert beschrieben werden.

3D-grenzenlos Magazin: Im Handbuch 3D-Printing werden auch die Auswirkungen des 3D-Drucks auf die Logistik dargestellt. Was passiert da gerade?

Dr. Andreas Leupold: Die Logistikbranche steht gerade vor den größten Veränderungen ihres Geschäftsmodells. Zum einen ermöglichen es die 3D-Drucker den produzierenden Unternehmen, Lagerhaltungskosten einzusparen, da Ersatzteile und andere Erzeugnisse nicht mehr „auf Halde“ produziert werden müssen, sondern auch in kleinen Stückzahlen „on Demand“ hergestellt werden können, wenn sie gebraucht werden. Zum anderen werden neue Herstellungs- und Vertriebskonzepte zunehmend die klassische Fabrik, wie wir sie heute kennen, ablösen. Das bedeutet, dass in Zukunft Industriegüter nicht mehr nur an einem Ort hergestellt und dann verteilt werden, sondern möglichst kundennah in „3D Printing Hubs“ gefertigt werden. Das verkürzt die Transportwege und ermöglicht ebenfalls erhebliche Einsparungen. Logistikunternehmen werden deshalb neue Geschäftsmodelle entwickeln müssen, die diesen geänderten Rahmenbedingungen Rechnung tragen.

3D-grenzenlos Magazin: Wer für fehlerhafte 3D-Druckerzeugnisse haftet wird im Handbuch 3D Printing in einem eigenen Kapitel untersucht. Welche Risiken gibt es?

Dr. Andreas Leupold: Wird durch den Fehler eines Produkts jemand getötet, sein Körper oder seine Gesundheit verletzt oder eine Sache beschädigt, so ist der Hersteller des Produkts verpflichtet, dem Geschädigten den daraus entstehenden Schaden zu ersetzen – so sieht es das Produkthaftungsgesetz vor. Wer Hersteller ist, lässt sich aber in komplexen Lieferketten nicht immer leicht beantworten und wenn sich Konstruktionsfehler in das 3D-Modell eingeschlichen haben, kann das auch die persönliche Haftung der Geschäftsführer für daraus resultierende Personen- oder Sachschäden zur Folge haben. Im Handbuch werden deshalb auch die rechtlichen Gestaltungsmöglichkeiten zur Begrenzung der Produkthaftung aufgezeigt.

Cover Handburch 3D Printing

3D Printing: Recht, Wirtschaft und Technik des industriellen 3D-Drucks

  • Gebundene Ausgabe
  • 771 Seiten
  • 1. Auflage, vom 2. Oktober 2017
  • 179,00 Euro

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