Charlotte, eine grüne Meeresschildkröte, wurde 2008 nach einem Bootsunfall schwer verletzt und leidet seitdem an einem sogenannten „Bubble Butt“-Syndrom. Diese Erkrankung beeinträchtigt die Fähigkeit, unter Wasser zu tauchen, was die Überlebenschancen stark verringert. Dank einer Zusammenarbeit zwischen Mystic Aquarium, Adia, New Balance und dem 3D-Druck-Unternehmen Formlabs konnte eine innovative Lösung für die nicht mehr auswilderbare Schildkröte gefunden werden. Das berichtet Formlabs auf seinem Blog und in dem am Beitragsende verlinktem Video.
Problemstellung und herkömmliche Ansätze

Meeresschildkröten nutzen ihre Lungen nicht nur zum Atmen, sondern auch zur Regulierung ihrer Schwimmtiefe. Verletzungen wie bei Charlotte, durch die Luftblasen unter dem deformierten Panzer eingeschlossen werden, führen zu einer dauerhaften Fehlstellung. Traditionell werden Gewichte an Velcro-Patches auf dem Panzer angebracht, um die Auftriebskräfte auszugleichen. Diese Methode ist jedoch wartungsintensiv und erfordert regelmäßige Anpassungen.
Innovation durch 3D-Druck
Adia, ein Unternehmen für 3D-Drucklösungen, New Balance und Formlabs entwickelten gemeinsam eine maßgeschneiderte Harness-Lösung. Zunächst wurde Charlottes Panzer mittels 3D-Scan digitalisiert, wodurch die Designer von New Balance ein flexibles und anpassungsfähiges Harness erstellen konnten. Ziel war es, Charlotte schrittweise in eine natürliche Schwimmposition zu bringen und ihre geschwächten Hinterflossen zu stärken.
Das fertige Design wurde mit einem Formlabs Fuse 1 SLS-3D-Drucker produziert. Der Harness besteht aus karbonfaserverstärktem Nylon, das sowohl flexibel als auch widerstandsfähig ist. Durch präzise Anpassung konnte eine Lösung geschaffen werden, die Charlottes Lebensqualität erheblich verbessert.
Ausblick und breitere Anwendung
Seit Dezember 2024 nutzt Charlotte erfolgreich ihren neuen Harness, was ihre Mobilität und Anpassung im Wasser unterstützt. Adia, New Balance und Formlabs sehen großes Potenzial in dieser Technik. Bereits mehrere Aquarien weltweit haben Interesse an ähnlichen Lösungen für Schildkröten mit vergleichbaren Problemen bekundet.
Formlabs betont die Vorteile des 3D-Drucks für solche Anwendungen: „Die Technologie erlaubt es uns, komplexe, hochgradig individualisierte Designs schnell und kosteneffizient zu realisieren.“ Zukünftig sollen automatisierte Workflows entwickelt werden, um die Herstellung weiter zu vereinfachen.
Die Geschichte von Charlotte zeigt, wie 3D-Druck innovative Ansätze in der Tiermedizin ermöglicht. Solche Projekte demonstrieren das Potenzial der Technologie, nicht nur industrielle, sondern auch biologische Herausforderungen zu lösen.
Video
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.






