Neues aus der Zahnmedizin:

Berliner Chirurg setzt zur Entfernung von Kiefertumoren auch den 3D-Druck ein

 16. August 2017  Susann Heinze-Wallmeyer  

Menschen, die an Krebs erkranken, müssen sich oft einer langwierigen Behandlung unterziehen, können aber nach erfolgreichem Abschluss ihren Alltag meist wieder gut regeln. Anders ist dies bei Patienten, die an Kiefertumoren leiden. Wie Ärzte der Charité den 3D-Druck bei einer solchen Erkrankung einsetzen, lesen Sie in diesem Beitrag.

Anzeige

Wer an einem Kiefertumor leidet, hat nach der Behandlung meist Probleme mit dem Schlucken, Essen und Sprechen. Zugleich entstellt eine solche OP das Gesicht meist erheblich. Der Leiter der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie an der Charité in Berlin, Max Heiland, arbeitet laut einer Meldung der Berliner-Zeitung daran, das Ergebnis dieser Tumor-Operationen am Kiefer zu verbessern. Die Funktion des Kiefers sei deutlich besser, wenn er annähernd wieder die selbe Form aufweise.

Max Heiland, Leiter der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie an der Charité Berlin
Max Heiland, der Leiter der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie an der Charité Berlin, entfernt mit seinem Team Kiefertumore auf besonders schonende Art. (Bild: © Sabine Gudath)

Bereits für die Planung der Operationen nutze Heiland modernste 3D-Technologie, die es ermöglicht, zu entfernende Knochenabschnitte passgenau zu ersetzen. Dies ist besonders wichtig, da neben dem betroffenen Gewebe auch noch weitere 1,5 Zentimeter entfernt werden müssen. Dabei sei es ganz egal, ob es sich um Knochen, Haut oder Muskelgewebe handelt. Ist der Tumor beispielsweise zwei Zentimeter groß, wird die Lücke bei etwa 5 Zentimetern liegen.

„Lange Zeit ging es lediglich darum, das bei dem Eingriff entstandene Loch einfach wieder zuzumachen“, so Heiland. Mittlerweile bemühen sich die Chirurgen, die alte Form des Kiefers nachzubilden. Deshalb schneiden sie aus einem anderen Bereich des Körpers, beispielsweise dem Wadenbein, aus dem Becken oder dem Schulterblatt, ein Stück Knochen heraus, dass sie dann im Kiefer einsetzen.

Kennzeichnung des zu entfernenden Kieferteils
Der rot markierte Bereich des Kiefers muss bei der OP entfernt werden. (Bild: © Max Heiland)

Einsatz einer 3D-gedruckten Schablone

Damit nicht mehrfach operiert oder frei Hand vorgegangen werden muss, wird eine solche OP mit Computerprogrammen geplant. Eine 3D-Computertomographie misst den Knochenverlust korrekt aus. Mit diesen Daten wird eine Kunststoffschablone entworfen und von einem 3D-Drucker gefertigt. Mit Hilfe dieser Schablone lässt sich dann der Ersatzknochen passgenau heraustrennen. Da der Knochen nicht nachwächst, wird nur so viel entnommen, wie tolerabel ist.

Beckenkamm mit 3D-gedruckter Schablone
Auf diesem Bild sieht man einen Beckenkamm mit der passgenau gefertigten 3D-gedruckten Schablone (grau). (Bild: © Max Heiland)

Während einer einzigen OP werden sowohl der befallene Knochenteil entfernt als auch der Ersatzknochen herausgeschnitten und im Kiefer wieder eingesetzt. Die Operation dauere im Schnitt acht Stunden.

„Wir nehmen eine einzige große OP vor. Danach hat der Patient im Idealfall alles hinter sich. Drei Ärzte operieren am Kopf, drei weitere an Bein, Becken oder Schulter – je nachdem wo der Knochen entnommen wird“, so Heiland.

Am Kopf werde nicht nur das Tumorgewebe plus dem etwa 1,5 Zentimeter großen Sicherheitsbereich entfernt, sondern auch die Lymphknoten am Hals. Danach wird das gesunde Knochenstück implantiert. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn die Ärzte die Blutgefäße des neu einzupflanzenden Knochens mit den Gefäßen, die sich in der Nähe der Halsschlagader befinden, verbindet. Dafür setzen sie ein Mikroskop ein.

Operationsmethode sehr erfolgreich

Etwa drei bis vier Mal pro Woche werden derartige Operationen an der Charité durchgeführt. Die Berliner Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie ist die größte Abteilung dieser Art in Deutschland.

In 19 von 20 Fällen heilt der Knochen so gut ein, dass die Patienten das Krankenhaus nach drei Wochen wieder verlassen können.

„Unser großes Ziel ist es, dass sie wieder am normalen Leben teilhaben und zum Beispiel in ihren Beruf zurückkehren können.“

Der Chirurg hat aber noch weitere Ziele. Er forscht gemeinsam mit seinen Kollegen an Knochenersatz aus dem Labor und setzt dabei auf Seide und Magnesium. Auf der Seide sollen Knochenzellen des Patienten angesiedelt werden, die dann für ein neues Knochenwachstum sorgen. Das Magnesium hingegen diene als Gerüst. Vielleicht kommt aber auch dann wieder der 3D-Druck zum Einsatz, denn mittlerweile wird dieses Verfahren in vielen medizinischen Bereichen zur Anwendung.

Bis das Verfahren zur Herstellung des Knochenersatzes aus Magnesium und Seide ausgereift ist, werden Patienten noch an anderen Stellen Knochen einbüßen müssen. Mit einem fehlenden Wadenbein lässt es sich aber durchaus gut leben, sofern man auf Marathonläufe verzichte, so Heiland. Die wiederhergestellte Ästhetik im Gesicht sowie die verbesserte Kau- und Sprechfunktion dürfte für viele wichtiger sein.

Hilf uns Dinge zu verbessern. Bewerte den Artikel:

0 0

Anzeige

3D-Drucker-Newsletter – kostenlos anmelden:

Teile den Link zu dieser Seite:

Klicken Sie einfach auf das Formularfeld und kopieren Sie sich den Link heraus.

Klicken Sie einfach auf das Formularfeld und kopieren Sie sich den Link heraus.

Klicken Sie einfach auf das Formularfeld und kopieren Sie sich den Link heraus.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.