Befragung:

64 Prozent der Schweizer Uhrenhersteller nutzen 3D-Druck für die Herstellung von Prototypen

Über die Hälfte der Schweizer Uhrenhersteller integrierte den 3D-Druck in die Fertigung ihrer Uhren. Dies brachte eine Deloitte Umfrage zutage. Ziel ist es die Herstellungskosten ihrer handgefertigten maßgeschneiderten Zeitmesser zu senken.

Im letzten Jahr befragte Deloitte mehr als 50 Führungskräfte der schweizerischen Uhrenindustrie. In der Gesamtschau ließ sich konstatieren, dass das Jahr für die Schweizer Uhrmacher nicht einfach war. So sanken die Exporte innerhalb des ersten Halbjahres 2016 auf 9,5 Milliarden Schweizer Franken. Hinsichtlich der Aussichten der Schweizer Uhrenindustrie äußerten sich insgesamt 82 Prozent der befragten Führungskräfte pessimistisch.

Natürlich gibt es aber auch ein paar positive Seiten. So erhöhen die Schweizer Marken ihren Umsatz im smartwatch-Markt und bieten ihre Uhren vermehrt in Online-Shops an. Zugleich haben sie die Möglichkeiten der 3D-Drucker entdeckt, um ihre Herstellungskosten und auch die Fertigungszeit zu reduzieren, ohne dass es zu deutlichen Qualitätseinbußen kommt.

Die Deloitte-Umfrage brachte zutage, dass 64 Prozent der befragten Führungskräfte angaben, dass der 3D-Druck in ihrem Unternehmen bereits für die Herstellung von Prototypen genutzt wird. Die Swatch Group nutzt die Technologie bereits für mehrere Zwecke, so unter anderem für die Fertigung von Kronen und Schnallen. Auch TAG Heuer verwendet den 3D-Druck bereits für die Herstellung dieser Einzelteile.

Uhrengehäuse
Diese Uhrengehäuse wurden mit einem 3D-Drucker hergestellt. (Bild: ©all3dp.com)

Das Schweizer Unternehmen Romain Jerome nutzt für die Herstellung seiner Zeitmesser ebenfalls den 3D-Druck. Hier kommt er beim Prototyping von Gehäusen, Ziffernblättern und Armbändern zum Einsatz. Dabei ist man eine Zusammenarbeit mit den 3D-Unternehmern Zedax und i.materialise eingegangen.

3D-Druck für personalisierte Schweizer Uhren

Noch unsicher ist, wie sich der 3D-Druck auf die Preisbildung auswirken wird. Nach Meinung von Yves Bellouard, der am Eidgenössischen Technischen Institut in Lausanne tätig ist, kann sich der Preis sowohl erhöhen als auch reduzieren.

„Eine personalisierte Uhr – eine bestimmte Art von Uhr für eine einzelne Person – stellt sicherlich einen Mehrwert dar, und die Leute würden es kaufen. Damit könnte der Preis steigen“, so Bellouard. „Vereinfachte Herstellung durch Verringerung der Anzahl der Komponenten könnte die Uhren in bestimmten Aspekten aber auch billiger machen.“

Bild der Luxusuhren ALB 000 und ALB 100 von ALB
Aus dem 3D-Drucker: Die Luxusuhren ALB 000 und ALB 100 vom französischen Uhrenhersteller ALB (Bild © ALB).

Natürlich sind wir von einer komplett mittels 3D-Druck hergestellten personalisierten Uhr noch weit entfernt. Zugleich zeigt sich aber, dass die Technologie auch hier enormes Potenzial birgt. Nach Meinung von Manuel Emch, dem Chef von Romain Jerome, könnten aber sowohl die Ausrüstung und die Materialien sehr teuer sein. Zugleich weist er auch darauf hin, dass vollständig gedruckte Zeitmesser bei den Kunden auf Widerstand treffen könnten. Viele Kunden seines Unternehmens und sicher auch die der meisten anderen Schweizer Uhrenhersteller bevorzugen handgefertigte Modelle, die für eine hohe Qualität stehen.

Es bleibt also abzuwarten, ob sich der 3D-Druck auch bei der Herstellung von personalisierten handgefertigten Uhren durchsetzen wird. Wir werden zu gegebener Zeit in unserem 3D-grenzenlos Newsletter weiter zum Thema berichten.

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