
Projektleiterin Isabelle Dechamps hat in einem Interview mit dem BMBF das Projekt erklärt. Sie ist Mitbegründerin des gemeinnützigen Vereins „be able“, der mit gemischten Gruppen individuelle, kreative Bildungsformate für eine bessere Inklusion entwickelt.

Das Projekt „Made for my Wheelchair“ entwickelt in einem Team aus Technikern, Designern und Rollstuhlfahrern sogenannte Add-Ons, die dazu dienen, den Alltag von Rollstuhlnutzern zu vereinfachen und zu bereichern. Zur Herstellung der Produkte werde auf kostengünstige und leicht erhältliche Maker-Technologien gesetzt. Wie Sie berichtet, wurde das Projekt im FabLab Berlin durchgeführt, wo den Tüftlern 3D-Drucker, Lasercutter und weitere professionelle Werkzeuge zur Verfügung standen. Es entstanden erste Entwürfe, die jetzt im Do-it-Yourself-Verfahren von Rollstuhlfahrern nachgebaut werden können und an die eigenen Bedürfnisse anpassbar sind.

Die Ergebnisse sind ein LED-Beleuchtungsset und ein Anhänger, der Einkäufe und eine Begleitperson transportieren kann. Das Beleuchtungsset verfügt über LEDs und diverse individualisierte Leucht-Modi. Die 3D-Datensätze, Bauanleitungen und Codes sind online frei abrufbar. Jeder der Interesse hat, kann die entwickelten Produkte in einem der zahlreichen FabLabs auf der Welt für den eigenen Rollstuhl kostengünstig herstellen. Im Vorfeld müssen nur die erforderlichen Bauteile besorgt und die Daten geladen werden. In den USA baute ein 17-jähriger Schüler mithilfe eines 3D-Druckers einen Rollstuhl für die dreijährige Miley Brochu, die wegen eines Schütteltraumas, das sie als Baby erlitten hat, bisher nie laufen konnte. Dank des Rollstuhls kann Miley aktiver am Leben teilhaben.
Innerhalb der einjährigen Förderung durch das Bundesforschungsministerium wurde, basierend auf einer Bedürfnisanalyse, über die Ideenentwicklung, den Prototypenbau bis zu den Tests, die Add-Ons stets zusammen mit Rollstuhlfahrern für ihre persönlichen Bedürfnisse weiterentwickelt. Die Ideen-Auswahl erfolgte auf Basis von Kriterien wie Umsetzbarkeit, Zeitaufwand bei der Herstellung, Kosten und Ästhetik für Rollstuhlfahrer.
Zum Beispiel sei eine vernünftige Beleuchtung für Rollstühle sehr wichtig, um im Straßenverkehr im Dunkeln gut zu sehen und gut sichtbar zu sein. Jedoch seien kaum Rollstuhl-Beleuchtungen auf den Markt erhältlich. Alle im Projekt entwickelten Beleuchtungen wurden auf die Bedürfnisse der Rollstuhlfahrer angepasst und lassen sich mit Maker-Technologien leicht nachbauen. Die notwendigen Komponenten seien im Internet verfügbar. Die FabLabs bieten mit 3D-Druckern, Lasercuttern und Elektroteilen die Möglichkeit, die Lampen herzustellen. Der weltweit erste Rollstuhl aus dem 3D-Drucker wurde mit dem „GO Wheelchair“ im Mai 2016 vorgestellt.

Vor allem die enorme Motivation der Rollstuhlfahrer habe sie beeindruckt, so Dechamps. Die Idee für das Projekt stammt von einem Rollstuhlfahrer, der per 3D-Drucker kleine Rampen gefertigt hatte, um mit seinem Rollstuhl Bordsteinkanten besser überwinden zu können und glaubte, dass da noch viel mehr möglich sein müsste. Eine Idee, die Isabelle Dechamps und ihren Team sehr am Herzen liegt, sei eine offene Plattform und Netzwerk, in dem sich Interessierte über Entwürfe und Ideen austauschen können.
Auf der REHACARE, einer internationalen Messe für Rehabilitation und Pflege, die seit dem 4. Oktober bis 7. Oktober 2017 in Düsseldorf stattfindet, wird das BMBF am Light Cares-Gemeinschaftsstand G03 in Halle 4 die Projektergebnisse des Light Cares-Wettbewerbs vorstellen. Im Ausstellungsbereich können die Produkte angeschaut und selbst ausprobiert werden. Wer Interesse hat, kann im Werkstattbereich an „Made for my Wheelchair“-Workshops teilnehmen, in denen Beleuchtungssets für Rollstühle live am Messestand gebaut und programmiert werden. Der Werkstattbereich wurde mit 3D-Druckern ausgestattet, die auch Hilfsmittel wie Prothesen direkt vor Ort fertigen.
- Nitz, Stefan(Autor)
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