Medizin:

Erstmals wurde in Indien ein Titanium-Wirbel aus dem 3D-Drucker implantiert

 21. Februar 2017  Susann Heinze-Wallmeyer  

In Indien wurde erstmals einer Patientin ein Titan-Wirbel aus dem 3D-Drucker implantiert. Berichten zufolge ersetzten die Chirurgen den ersten bis dritten Wirbel durch die gedruckten Titan-Implantate und konnten so die wegen Tuberkulose entstandene Lücke zwischen Schädel und Wirbelsäule erfolgreich schließen.

Medanta -The Medicity LogoBei einer Tuberkulose handelt es sich um eine Erkrankung der Lunge. Diese Krankheit kann sich aber auch an anderen Bereichen manifestieren, beispielsweise an der Halswirbelsäule, wie es bei einer 32-jährigen Inderin der Fall war. Der Frau wurden nun 3D-gedruckte Titanium-Wirbel implantiert.

Einem Bericht der „The Siasat Daily“ zufolge hatte sich die Tuberkulose in insgesamt 10 Wirbeln festgesetzt. Ihr Zustand verschlechterte sich durch das herabgesenkte Immunsystem rapide. Vor allem die ersten drei Halswirbelkörper wurden umfassend geschädigt, so dass sie keine Stütze zwischen Kopf und unterer Wirbelsäule darstellten. Ihr Kopf glitt immer stärker nach vorn und auch das Rückenmark war von der Einschränkung betroffen. Es bestand auch die Gefahr, dass ihr das Atmen nur noch eingeschränkt möglich wäre.

Ärzte mit Wirbelsäulenmodellen.
An der OP beteiligte Ärzte mit Wirbelsäulenmodellen und einem 3D-gedruckten Wirbelkörper. (Bild: © The Siasat Daily)

Während einer 10-stündigen Operation ersetzten Chirurgen des Medanta-The Medicity Krankenhauses im indischen Gurugram die beschädigten ersten, zweiten und dritten Wirbel durch jeweils ein 3D-gedrucktes Titan-Implantat. Dadurch konnte die Lücke zwischen dem Schädel und der Wirbelsäule geschlossen werden. Es war der Patientin so wieder möglich, zu stehen und zu Fuß zu gehen. Dieses Verfahren wurde in Indien zum ersten Mal durchgeführt. Zuvor fanden solche Operationen nur in China und in Australien statt.

Implantierte Wirbelkörper.
Die drei implantierten Wirbelkörper inklusive der Halterungen. (Bild: © Medanta – The Medicity)

„Angesichts der Komplexität dieses Falles hat der Einsatz der 3D-Druck-Technologie zu einem erfolgreichen Ergebnis beigetragen“, erklärte Dr. V. Anand Naik, Senior Consultant (Wirbelsäulenchirurgie) am Medanta Bone & Joint Institute. Dr. Naik leitete das chirurgische Team, welches die Frau operierte. „Die Patientin konnte nach zwölf postoperativen Tagen mit minimaler Unterstützung gehen, alle ihre Schmerzen sind verschwunden, ihre Stimme und die Dysphasie haben sich vollständig erholt und vor allem ihr Leben wurde durch diese Technik gerettet.“

Der Global Health Care Mitarbeiter in Neu-Delhi, Sanjay Kumar Pathak, erwähnte, dass das 3D-Implantat in seinem Unternehmen entworfen wurde und dann von einer Dienststelle, die SLM Solutions 3D-Drucker nutzen, hergestellt wurde. Als Grundlage für die Implantate dienten CT- und MRT-Bilder, auf deren Grundlage unter anderem ein 3D-Modell der Wirbelsäule gedruckt wurden. So ließen sich die Lücken zwischen den Wirbeln genau ausmessen. An der Entwicklung der 3D-Implantate waren mehrere Designteams aus Indien, den USA und Schweden beteiligt.

3D-gedruckter Wirbelkörper.
Einer der 3D-gedruckten Wirbelkörper. (Bild: © Sanjay Kumar Pathak)

Die Patientin erholte sich recht schnell und wird in ihren Beruf als Lehrerin wahrscheinlich in etwa zwei Wochen zurückkehren können. Allein daran lässt sich schon erkennen, welche Perspektive der 3D-Druck in das Leben mancher Menschen bringen kann.

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