3D-Scanner im Dienste des FBI:

3D-Scanner schafft digitales Abbild der Pappmaché Köpfe berühmter Alcatraz Häftlinge

 9. August 2017  Susann Heinze-Wallmeyer  

Das FBI und der Nationalparkservice nutzten 3D-Scanner, um die aus Pappmaché gefertigten Dummy-Köpfe von vier Alcatraz-Insassen zu digitalisieren und bei Bedarf mit einem 3D-Drucker replizieren zu können. Drei Häftlingen war es 1962 gelungen, aus dem berüchtigten Gefängnis auszubrechen.

Die Alcatraz Federal Penitentiary Haftanstalt gehörte zu den größten Sicherheitsgefängnissen der USA. Zugleich schien es aufgrund seiner Lage auf einer 1,25 Meilen vor der Küste von San Francisco befindlichen Insel auch zu den ausbruchsichersten zu gehören. Es beherbergte einige der größten Verbrecher des Landes. Kaum ein Verantwortlicher kam auf die Idee, dass man auch aus diesem Gefängnis erfolgreich ausbrechen könne. Doch einmal gelang die Flucht – am 11. Juni 1962. Welche Gemeinsamkeiten diese Geschichte und der 3D-Druck haben? Lesen Sie selbst.

Gefängnisinsel Alcatraz
Die Insel Alcatraz mit dem berühmten Gefängnis. (Bild: © history.com)
Inspektion des Fluchtweges
Ein FBI-Mitarbeiter inspiziert den Fluchtkorridor. (Bild: © Alcatraz / FBI)

Am 11. Juni 1962 Tag setzten die Insassen John und Clarence Anglin sowie Frank Morris einen komplizierten Plan in die Tat um. Über einen unbewachten Korridor entkamen sie aus ihren Gefängniszellen. Zuvor hatten sie über einen längeren Zeitraum Putz von den verrotteten Zellwänden abgeschlagen, vor die sie eine provisorische Wand gestellt hatten. Durch die Ventilatorenlüftung entkamen sie. Ein vierter Häftling namens Allen West, der ebenfalls in den Plan involviert war, konnte in dem Moment nicht aus seiner Zelle fliehen und blieb im Gefängnis.

Ein wichtiger Teil des Planes war es, die Wärter zu überzeugen, dass die entkommenen Insassen immer noch in ihren Betten schliefen. Dazu schufen die Häftlinge Pappmaché Köpfe, die mit echten menschlichen Haaren versehen waren und ihrem Ebenbild so besonders nahekamen. Die Haare hatten sie aus dem Friseursalon der Haftanstalt mitgenommen.

Pappmaché Köpfe der vier Häftlinge
Die Pappmaché Köpfe der vier Alcatraz-Häftlinge Clarence Anglin, John Anglin, Frank Morris und Allen West (v.l.n.r.). (Bild: © FBI)

Keiner weiß, ob die Insassen die Flucht über das Wasser überlebten. Vielleicht haben sie aus ihren Regenmänteln ein improvisiertes Floß gebastelt. Die meisten gehen indes davon aus, dass die drei Insassen ertrunken sind. Einige andere jedoch – so unter anderem Mitglieder der Anglin-Familie – behaupten jedoch, dass ihnen eine Flucht nach Brasilien gelang.

Die Häftlinge John und Clarence Anglin sowie Frank Morris.
Die Alcatraz Häftlinge John Anglin, Clarence Anglin und Frank Morris (v.l.n.r.). (Bild: © My Colorful Past)

Auf jeden Fall ist die spektakuläre Flucht unvergessen und war unter anderem Stoff eines Filmes mit Clint Eastwood. Ein Großteil der Ausrüstung, die die Flüchtlinge verwendeten, ist bis heute vorhanden und kann in der ehemaligen Haftanstalt, die jetzt ein Museum ist, betrachtet werden. Einige dieser historischen Gegenstände sehen jedoch nicht mehr so gut aus.

Alcatraz Zelle von Frank Morris
Die Alcatraz Zelle von Frank Morris. (Bild: © Alcatraz / FBI)

So hat sich unter anderem der Zustand der Dummy-Köpfe, die vom FBI nach wie vor als Beweismittel angesehen werden, während der mittlerweile 55 Jahre währenden Lagerung deutlich verschlechtert. Das FBI sah sich deshalb dazu veranlasst, die Köpfe zu scannen und sie so als digitales Format aufzubewahren. So könnte das Bild der Köpfe nie verlorengehen, zugleich ist sichergestellt, dass das FBI durch den Einsatz des 3D-Scanners alle Informationen behält, wenn eine weitere Untersuchung des Falles ansteht. Zugleich ist es so auch möglich, die Köpfe mit einem 3D-Drucker neu herzustellen. Für den Scan benötigten die Mitarbeiter pro Pappmaché Kopf etwa 30 Minuten.

3D-Scan eines Pappmaché Kopfes
Auf diesem Bild wird einer der vier Pappmaché Köpfe mit dem 3D-gescannt. (Bild: © FBI)

„Das FBI erkennt die historische Bedeutung der Flucht aus Alcatraz. Und wir hassen es, dass etwas passiert und dieser greifbare, physische Teil der Geschichte verloren geht“, so die FBI-Sprecherin Prentice Danner.

Einen umfassenden Bericht über die Flucht der drei Häftlinge können Sie in englischer Sprache auf der History Webseite nachlesen. Mehr Beispiele unter Anwendung von 3D-Druckern und 3D-Scannern für historische Repliken finden Sie auf unserer Themenseite „3D-Druck in der Geschichte“ sowie regelmäßig neu im Newsletter von 3D-grenzenlos (jetzt anmelden).

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