Kieferrekonstruktion dank 3D-Druck:

Ärzte aus Wales implantieren weltweit erstmals ein Kieferimplantat aus dem 3D-Drucker

Ein Chirurgen-Team in Swansea, Wales, rekonstruierte erstmals einen Kiefer mit Hilfe eines 3D-Druckers. Das neue Verfahren war erfolgreich und wurde in die Liste der regulären Behandlungen aufgenommen. Diese Beitrag berichtet über die Behandlung von Debbie Hawkin und das weltweit erste Kieferimplantat aus einem 3D-Drucker.

Ein Tumor in Debbie Hawkins‘ Unterkieferknochen stellte die Ärzte im Morriston Hospital in Swansea vor eine schwierige Situation. Der Knochen drohte zu brechen und auf herkömmlichem Wege war das Problem nicht zu lösen. Glücklicherweise hatte das Chirurgen-Team eine großartige Idee entwickelt. Der Kiefer von Debbie Hawkins sollte mittels 3D-Druck rekonstruiert werden. Zu diesem Zeitpunkt hat das niemals zu vor jemand in der Form, in dem Umfang und unter den gegebenen Umständen mit 3D-Druck gelöst. Bei den bisherigen 3D-gedruckte Kieferrekonstruktionsverfahren wurden aus 3D-gedruckten Formen konventionelle Prothesen hergestellt.

Ein neuer Plan musste her

Der Plan war es, Hawkins‘ Kieferknochen durch eine Kombination aus traditionellen Knochentransplantaten und 3D-bedruckten Titanplatten wieder aufzubauen. Dank der 3D-Scanning-Technologie konnten die engagierten Ärzte die Operation sehr genau planen und das Druckergebnis bestmöglich an die Anatomie der Patientin anpassen.

Hawkins und Kittur
Debbie Hawkins, mit ihrem Chirurgen Madhav Kittur (Bild © ABMU Health Board).

„Ich hatte Angst, als sie mir die ganze Prozedur erklärten“, sagte Hawkins. „Ich wusste wirklich nicht, was mich erwarten würde. Aber die Operation und die Nachsorge waren einfach hervorragend.“ Drei Wochen musste sie nach dem Eingriff noch im Krankenhaus bleiben. Nach weiteren drei Monaten durfte sie wieder zur Arbeit zurück.

Hawkins ist die weltweit erste Patientin, bei der man Teile aus dem 3D-Drucker auf dem Gesicht angebracht hat, lässt das Morriston Hospital in Swansea laut „WalesOnline“ verlauten. Die Morriston-Hospital-Technik ist die erste ihrer Art, die jemals durchgeführt wurde. Sie ist eine enorme Verbesserung gegenüber herkömmlichen Methoden, bei denen ein Stück der Fibula vom Bein des Patienten entfernt wird, um Kieferabschnitte zu ersetzen. Diese Methode wird häufig angewendet, doch sie ist fehleranfällig und so kann es passieren, dass der Kiefer zu niedrig eingestellt wird, um noch Zahnimplantate unterzubringen.

Morriston-Hospital-Technik
Die Morriston-Hospital-Technik (Bild © ABMU Health Board).

Morristons Technik hingegen verwendete die CT-Bilder von Hawkins, um eine anatomisch präzise 3D-bedruckte Titanplatte zu konstruieren. Diese sorgt für einen Fibulaknochen am richtigen Ort, wobei die natürliche ästhetische Form der Kieferlinie beibehalten wird. Vom Team erstellte Schnittführungen sorgen dafür, dass der aus der Fibula entnommene Knochen exakt auf den entnommenen Kieferbereich passt.
Peter Llewelyn Evans, Leiter des Maxillofacial Laboratory Services am Morriston Hospital, stellt zufrieden fest, „Das Titanimplantat passt perfekt zum Kiefer des Patienten, ohne dass der Chirurg irgendwelche Veränderungen vornehmen muss.“

Effektive Lösung nun regulärer Eingriff im Morriston Hospital

Die Technik, die bei Debbie Hawkins angewendet wurde, erwies sich als sehr effektiv. Nun wurde sie auch regulär am Morriston Hospital angewendet. Fünf solcher Eingriffe gab es bereits, ein sechster ist in Planung.

Hawkins und das Team im Krankenhaus
Hawkins und Chirurgen-Team aus dem Morriston Hospital (Bild © ABMU Health Board).

Madhav  Kittur, Facharzt für Chirurgie und Hawkins‘ Operateur, dazu, „Die Unsicherheit ist weg. Wir sind hervorragend vorbereitet und wissen, was uns erwartet. Der Eingriff ist bis ins kleinste Detail geplant.“

Das neue Verfahren zeichnet sich auch durch Effizienz aus. Üblicherweise dauert so eine Operation acht bis zehn Stunden. Bei diesem Eingriff spart man sich bis zu zwei Stunden und das macht schon viel aus. „Es ist ästhetisch besser, der Patient ist für weniger Zeit unter Betäubung, und Probleme bei der Genesung treten seltener auf,“ ergänzt Kittur.
Hawkins stimmt ihm zu. „Manchmal habe ich noch Probleme bei Kieferbewegungen, aber es wird besser.“

Der 3D-Drucker kommt immer öfter zur Anwendung, wenn es darum geht, fehlende oder „fehlerhafte“ Körperteile zu ersetzen. Forscher untersuchen zum Beispiel einen Weg, um mit dem 3D-Drucker eine Ersatzhornhaut herzustellen. Ein Berliner Chirurg setzte bereits auf den 3D-Druck bei der Entfernung eines Kiefertumors. Mehr interessante Beiträgen finden Sie auf unseren beiden Themenseiten „3D-Druck in der Zahnmedizin“ und „Implantate aus dem 3D-Drucker„.

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