Die Partei Bündnis 90/Die Grünen versucht mit einem innovativen Thema im Wahlkampf für die Europawahl zu punkten. Im Grunde eine gute Idee. Politisches Diskussionsbedarf gibt es bei wachsender Anwenderzahl der 3D-Drucker allemal. Doch leider verfehlen die Grünen mit einem schwachen Ansatz die Einheizung einer politischen Debatte über umweltpolitischer Aspekte im 3D-Druck.

Bündnis 90/Die Grünen Europawahl Wahlwerbung
Wahlwerbung Bündnis90/Die Grünen zur Europawahl 2014: Mit innovativen Themen wie 3D-Druck soll der Wahlkampf in Schwung gebracht werden (Bild © gruene.de).

Die Grünen hätte vor der Europawahl ein Signal für ein innovatives Thema senden können. Nach Europa. Denn der 3D-Druck findet nach der USA und Großbritannien nicht nur in Deutschland schleichenden Einzug in deutsche Haushalte – ganz Europa horcht bei dem Thema auf. Die Europawahl also eine gute Bühne, 3D-Drucker als Thema auch auf politischer Ebene anzureisen.

Einleiten möchte diese politische Diskussion die deutsche Partei Bündnis 90/Die Grünen. Dafür gab der industriepolitische Sprecher der Grünen im EU-Parlament, Reinhardt Bütikofer, eine Studie „3D Printing – Risks and Oppurtinities“ in Auftrag, die als Zusammenfassung vorhandener, tiefergehender Studien zu betrachten ist, wie heise online berichtet. Auf 20 Seiten fasst das Dokument die momentane Entwicklung der 3D-Drucker zusammen.

Bültikhofer fordert die Einrichtung einer Task-Force auf europäischer Ebene, zur Schaffung eines „ordnungspolitischen Rahmens“. Die Task-Force soll eine Expertenrunde darstellen, aus internationalen Experten – auch (oder vor allem) der USA, um a) von Erfahrungen zu lernen und b) die internationale Zusammenarbeit voranzutreiben.

Thema verfehlt?

Das 20-seitige Dokument der Grünen wirft folgende Fragen auf:

  • Eigentumsrechte und rechtlicher Haftung,
  • Standardisierung im 3D-Drucker,
  • Produktion von 3D-gedruckten Waffen (s.g. Liberatoren).

Bei letzterem Punkt, Waffen aus dem 3D-Drucker, der gerne zur Erreichung politischer und medialer Aufmerksamkeit eingesetzt wird, sehen die Grünen Deutschland aus der Perspektive bestehender Gesetze als gut gerüstet. Der politische Rahmen in Deutschland reicht also aus. Den rechtlichen Rahmen auch anderer europäischer Staaten an das Thema anzupassen, wäre eine der Aufgaben der Task-Force.

Wie auch schon heise online in dem Artikel richtig feststellt, erwecken die Inhalte der Grünen zum Thema 3D-Druck eher den Eindruck eines „Schnellschuss“. In mehreren Tests wurde nachgewiesen, dass von Waffen aus handelsüblichen 3D-Druckern bisher keine Gefahr ausgeht. Ohne Frage entwickeln sich die 3D-Drucker technisch weiter. Ziemlich rasant sogar. Aber für die Europawahl wären weniger populistische Themen, wie die Frage nach einem Umweltsiegel für das Filament, wünschenswert gewesen.

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Kommentar(e) zum Beitrag
  1. Danke für diese Reflektion, die sich in die Reihe „Verbot von Killerspielen“, „Verbot von Paintball“, „Verbot von Fleisch“, „Verbot von XYZ“ und was weiß ich einreiht – aber mich auch irgendwie an die Argumentation zur Vorratsdatenspeicherung wegen Kinderpornografie & Terroristen erinnert und im Endeffekt meist bei weichen Drogen eingesetzt wird.

    Am Ende auch wie bei der E-Zigarette, wo man den Verbraucher schützen möchte (was er ja nicht selbst kann und eine Nanny braucht) wird es dann eine Begrenzung von nutzbaren Filamenten nach Härtegrad und Umweltverträglichkeit geben, um Bau von Waffen zu verhindern.. sonst kommt noch jemand auf die Idee einen Hammer auszudrucken und Leute zu erschlagen….

    1. Hallo Volker,

      im Grunde kann man froh sein, dass sich überhaupt eine politische Partei in Deutschland an das Thema wagt. Und dann gleich auf europäischer Ebene, wo es doch bereits europäische Staaten gibt, die uns im 3D-Druck schon einige Schritte voraus sind. Ich vermisse aber die umweltpolitischen Aspekte in den Forderungen der Grünen zum Thema. Es passt halt irgendwie genau in das Bild das du treffend beschreibst: Lieber eine populistisches Thema mit dem Schlagwort „Verbot“ paaren, als tiefgründig und vorausschauend das Thema zukunftsorientiert anzugehen.

      Schlussendlich kann man trotz aller Verbote auch jemand einen 3D-Drucker über die Rübe ziehen. Samt Filament-Rolle. Oder man kauft sich im Baumarkt einen Hammer. Oder druckt sich den Hammer. Grenzenlose Möglichkeiten. Wie auch immer. Eine angestrebte Diskussion der Grünen ohne Rahmen und Ziel und daher schade für den verfehlten Versucht. Aber der Versuch der Grünen ist ja immerhin schon einmal ein Anfang und vielleicht ein Signal an die anderen Parteien sich dem Thema öffentlichkeitswirksam anzunehmen 🙂

      Gruß,
      Marcel

      1. Hallo Marcel,

        schon richtig „dass sich wenigstens jemand dem annimmt“ – nur bin ich momentan nur noch verärgert, wenn wer das tut. Und das sollte jetzt auch kein Grünen-Bashing sein, sondern Sachen wie Merkelmais, immer wildere Umweltverordnungen und dann sieht man USA/China/Indien, …., die sich einen Dreck kümmern. Eine EU, die Staubsaugerleistungen drosseln will, was zur Folge hat, dass man halt zweimal so lange saugt, bis es sauber ist, „Ausländermaut“ statt integrierter Verkehrspolitik usw.

        Wenn man sieht, wie in den USA Inkubatoren gefördert werden und selbst Obama Schirmherr für 3D-Druck-Initiativen ist, wird mir bei unserer Neuland-Kanzlerin Angst und Bange…

        Und Ja, es gab/gibt Parteien, die sich intern mit 3D-Druck und auch OpenSource, -Content, Rechte & Verwertung usw. befassen.. da die aber in der außerparlamentarischen Opposition sind, hört man da nicht viel.

        Und wegen Hammer: Mist
        http://www.mcortechnologies.com/a-functional-3d-printed-hammer-made-ofthats-right-paper/
        😉

        Sonnige Grüße,
        Volker

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