Wenn der Afrikaner Kodjo Gnikou seine Werkstatt verlässt, um eines seiner neuen Produkte zu präsentieren, dann sind meist die Augen seiner Fans weit geöffnet. Wie auch diesmal. In seiner Werkstatt in Lomé (Togo) zaubert Gnikou einen funktionsfähigen 3D-Drucker aus Elektro- und Computerschrott – den W.Afate 3D-Printer. Das war auch eine Erwähnung der NASA wert.

W.Afate 3D-Printer von Kodjo Gnikou
3D-Drucker selbstgebaut: Der Wafate 3D-Printer von Kodjo Gnikou ist ein funktionsfähiger 3D-Drucker aus Elektroschrott (© Bild aus Youtube-Video vin Woelab Lomé)

Das Handwerk von Herrn Kodjo Gnikou lässt sich durchaus mit dem eines Bäckers vergleichen. Beide kennen ihr Ziel und beide beginnen zunächst mit der Erstellung der Zutatenliste. Der einzige Unterschied: Gnikou holt seine Zutaten vom Müll. Und Müll gibt es in Afrika mehr als genügend, da vor allem Elektroschrott (in erster Linie Computer) aus vielen verschiedenen Industrieländern nach Afrika exportiert wird, um ihn dort zu günstigen Konditionen aufarbeiten zu können. Im Video (siehe unten) wird zu Beginn genau dieser Punkt von Gnikou kritisiert. Bemerkenswert: Gnikou macht genau aus der Not eine Tugend und bietet damit vielen Arbeitern auf den Schrottbergen so eine Vorbildfunktion.

Man nehme einen alten Computer, ein paar andere alte technische Geräte wie Kopierer, Scanner und Drucker und ein Arduion-Board. Und fertig ist der selbstgebaute 3D-Drucker. Für weniger als 100 US-Dollar Kosten.

So entsteht der 3D-Drucker aus Schrott

  • Das Gehäuse: Das Gehäuse des selbstgebauten 3D-Druckers entstammt aus einem alten Computerrahmen. Hiervon dürfte es auf den Müllbergen von Afrika mehr als genug geben. Vor allem nach der Technikrevolution durch Laptops und nun auch Tablets und Smartphones wurden viele klassiche Desktop-Rechner in den vergangen Jahren aus den Haushalten westlicher Staaten aussortiert und landeten im Müll. Nicht wenig davon findet man nun in Afrika.
  • Das Druckverfahren: Für das Druckverfahren verwendete Gnikou die Schmelzschichtung oder auch Fused Deposition Modeling, kurz FDM, genannt. Dieses Fertigungsverfahren entstammt aus dem Bereich des Rapid Prototyping, bei dem ein Werkstück schichtweise aus dem schmelzfähigem Kunststoff (kann auch ein andere Stoff sein) aufgebaut wird. Typischen Einsatz findet die Schmelzschichtung in 3D-Druckern (mehr zu FDM auf Wikipedia).
  • Der Antrieb und Arbeitsplattform: Der Antrieb des W.Afate 3D-Printer, sowie Bänder und Schienen, bestehen aus den Schrottteilen alter Drucker, Scanner und Kopierer. Der Druckkopf des „Schrott“-3D-Druckers bewegt sich auf zwei Achsen gegeneinander. Der Druckkopf kann außerdem auf der vertikalen bewegt werden und bietet so die notwendige Flexibilität für verschiedene 3D-Druck-Objekte.
  • Die Computing-Plattform: Als Computing-Plattform verwendet der W.Afate eine Aduino-Plattform. Eine Arduino ist eine aus Hard- und Software bestehende Physical-Computing-Plattform bei dem beide Komponenten im Sinne der Open Source quelloffen sind.

Video zum W.Afate 3D-Printer [01:11 Min.]

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Neben den oben genannten Bauteilen, habe Gnikou noch einige Teile nachkaufen müssen, gesteht Gnikou selbst gegenüber dem Fernsehsender Euronews. Der Preis des Geräts läge aber dennoch bei unter 100 US-Dollar. Ziel war es nach Angaben von Gnikou weniger die Produktionskosten von 3D-Druckern zu senken, um marktwirtschaftliche Vorteile zu erzielen. Vielmehr geht es ihm darum die Aufmerksamkeit auf die Problematik „Elektroschrott in Afrika“ zu lenken.

Sein Projekt war die Teilnahme an der International Space Apps Challenge – ein Wettbewerb des NASA (die sich generell sehr für 3D-Drucker interessiert mehr…). Dabei handelt es sich um ein Projekt bei dem Interessierte aus aller Welt dazu aufgerufen werden, Apps für Curiosity oder ISS, Minisatelliten oder Datenvisualisierungen für ein weit entfernte Raumsonde zu entwickeln. Die Idee von Gnikou: Den Schrott lieber auf entfernte Planeten zu bringen, als nach Afrika. Man können den Schrott dann dort verwenden, um eine Kolonisierung der Menschen voranzutreiben. 😉 Die Idee zum W.Afate 3D-Printer brachte ihm unter den knapp 10.000 Einsendungen zur Challenge eine besondere Erwähnung.

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