Das schwedische Textilhandels­unternehmen H&M plant mit seinem Innovation-Lab H&Mbeyond und dem Technologieunternehmen neXR Technologies eine digitale Umkleidekabine für den 3D-Scan seiner Kunden einzusetzen. Mit den 3D-Avataren können H&M-Kunden zukünftig per App und von zu Hause Kleidung digital anprobieren. Das soll auch die Zahl der Paket-Retouren beim Online-Shopping reduzieren und die Umweltbelastung beim Online-Handel verringern. Es gibt aber noch weitere Vorteile.

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H&M hat eine virtuelle Umkleidekabine entwickelt. Kunden, können dafür in einer Filiale per 3D-Scanner einen Avatar erstellen und beim Onlineshopping damit Kleidung anprobieren. Auch Amazon hatte bereits in diesem Bereich Tests vorgenommen.

Die schwedische Bekleidungskette H&M entwickelt jetzt im Innovation-Lab des Unternehmens H&Mbeyond in Berlin gemeinsam mit dem Unternehmen NeXR Technologies eine digitale Umkleidekabine, wie das Unternehmen NeXR Technologies in einer Mitteilung (PDF, 188 Kb; öffnet in neuem Fenster) berichtet.

Onlinekunden sollen dank der Technologie Kleidungsstücke bereits vor dem Kauf virtuell an einem realistischen Avatar anprobieren können. Um die sogenannte Virtual-Fitting-Lösung nutzen zu können, müssen sich Kunden mit dem von Nexr entwickelten 3D-Photogrammetry-Scanner in einer H&M Filiale scannen lassen. Aus den Daten erstellt die Software dann einen fotorealistischen Avatar, der auf das Smartphone des Kunden übertragen wird und dort zum Anprobieren von Kleidung genutzt werden kann.

Ganz neu ist die Nutzung von 3D-Avataren beim Online-Shopping nicht. Der japanische Online-Store Zozo versendet bereits passgenaue Kleidung, die sich ebenfalls an einem 3D-Modell des Kunden orientiert. Der Kunde kann vorab mit einem zur Verfügung gestellten Anzug mit Messpunkten, dem Zozo-Suit, und dem eigenen Smartphone ein 3D-Modell von sich selbst erstellen. Die Idee klingt ein bisschen verrückt und lustig zugleich, wie ein Spiel in einem Casino, aber schon bald könnte sie Realität werden.

Gerade auch im Rahmen der Coronavirus-Pandemie ist der Ruf nach Veränderungen im Einzelhandel größer als je zuvor. H&M plant zusammen mit neXR Technologies die virtuelle Ankleidekabine mit 3D-gescantenn Kunden-3D-Avatars, um das Online-Shopping noch attraktiver zu machen (Bild © neXR Technologies).

Hilfe bei der Kaufentscheidung & Reduzierung von Retouren

Das Ziel, der virtual Reality Umkleidekabine ist laut H&M ein spannendes Einkaufserlebnis und eine Hilfe bei der Kaufentscheidung. Außerdem soll die Technologie laut Oliver Lange, Leiter von H&M beyond dabei helfen Retouren zu reduzieren, die häufig aufgrund nicht passender oder nicht gefallender Kleidung entstehen.

Wie eine Studie der Universität Bamberg gezeigt, werden in 46 Prozent aller Onlinebestellungen zurückgeschickt. Im Bereich Mode, wo laut den Autoren „ein großer individueller Wohlfühlfaktor“ hinzukommt, ist die Rücksendequote noch höher. Mit Durchschnittskosten von 19,51 Euro pro Retoure (9,85 Euro Versand, 9,66 Euro Bearbeitung) sind Retouren besonders im niedrigen und mittleren Preissegment für Modehändler ein großes Problem mit einem starken Einfluss auf das Betriebsergebnis. Außerdem erzeugen Retouren in Deutschland pro Jahr etwa 238.000 Tonnen CO2-Äquivalente (CO2e). Sollte H&M durch die digitale Umkleidekabine ihre Retourenquote signifikant beeinflussen können, würden davon sowohl das Geschäft als auch die Umwelt profitieren.

Umweltbelastung – Anprobieren ist besser als Onlineshopping

Das rote Paar Schuhe sieht auf dem Bildschirm so schön aus, aber passt es besser in Größe 38 oder 39? Schwierig, schwierig. Unsicher, wie viele Online-Käufer in einem solchen Fall sind, kaufen sie einfach beide Größen und schicken das falsche Exemplar nach der Anprobe wieder zurück. Bei Zalando liegt die Retourquote bei 50 Prozent. Dabei verursacht der massenhafte Versand Verpackungsmaterial, Müll und Schadstoffe. Retouren schaden der Umwelt.

Beim Versenden ihrer Ware arbeiten die meisten Online-Händler mit dem Dienstleister DHL zusammen. Ein Sprecher der DHL sagt:

„Im Durchschnitt kümmern wir uns am Tag um 3,3 Millionen Pakete und Päckchen. Vor vier Jahren lag die Zahl noch bei 2,3 Millionen. Das boomende Internetgeschäft sieht man deutlich.“

Wie hoch der Anteil der Rücksendungen ist, kann er nicht sagen. Bei einer aktuellen Studie des Bundesverbandes des Deutschen Versandhandels gaben allerdings mehr als ein Drittel der 150 befragten Händler eine Quote von 20 Prozent an. Bei Kleidung ist der Wert jedoch weitaus höher, wie Zalando zeigt.

Wird eine Paketsendung innerhalb Deutschlands transportiert, beträgt die durchschnittliche CO2-Emission eines Pakets rund 500 Gramm. „Damit kommt ein modernes Mittelklasse-Fahrzeug nicht einmal 3,5 Kilometer weit“, sagt DHL. Also alles doch nicht so schlimm? Von wegen. Denn auch wer im Internet shoppt, setzt sich oft noch ins Auto – etwa um die Lieferung an einer DHL-Packstation abzuholen. Die Zusteller der Deutschen Post klingeln nämlich nur einmal an der Tür. Hermes kommt ein zweites und drittes Mal. Deswegen sagt der BUND: „Wer im digitalen Bazar impulsiv und schusselig herumklickt, vervielfacht die Umweltbelastung.“ Und: Wer seine Schuhe im Laden anprobiert, merkt sofort, was besser passt – 38 oder 39.

Weil die Bedeutung steigt, arbeitet das Umweltbundesamt daran, die logistik- und verkehrsbezogenen Emissionen des Onlinehandels zu berechnen. Bis erste Ergebnisse vorliegen, muss man sich allerdings voraussichtlich bis Ende diesen Jahres gedulden. Denn die Berechnung ist komplex. Je nachdem, ob jemand auf dem Land oder in der Stadt wohnt, wie viel er online bestellt und zurückschickt, kippt das Ergebnis in die eine oder andere Richtung. „Was man aber allgemein sagen kann“, fasst ein Forscherteam des Umweltbundesamts zusammen:

„Onlinehandel wird besser, wenn man die Retourensendungen reduziert. Offlinehandel wird besser, wenn die Geschäfte in Energieeffizienz wie Heizung oder Beleuchtung investieren und die Konsumenten zu Fuß oder mit dem Fahrrad einkaufen.“

Start im Sommer 2021

Die ersten H&M-Filialen erhalten den 3D-Scanner bereits im Sommer. Anschließend wird NeXR Technologies in Kooperation mit H&Mbeyond den 3D-Scanner und die Software weiter verbessern, um ein möglichst gutes Einkaufserlebnis bieten zu können. Über die weiteren Entwicklungen zum Online-Shopping 2.0, 3D-Scan-Technologie und weiterer Zukunftstechnologien berichten wir auch in Zukunft im 3D-grenzenlos Magazin (Newsletter abonnieren).

3D-Scanner-Kabine
neXR Technologies hat eine 3D-Scanner-Kabine als Lösung für die Digitalisierung in der Bekleidungsindustrie entwickelt (Bild © neXR Technologies).

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