Neues aus der Raumfahrt:

Erster 3D-gedruckter Satellit startet von ISS Raumstation zu seinen Erdumrundungen

 18. August 2017  Susann Heinze-Wallmeyer  

Von der Raumstation ISS starteten gestern drei verschiedene Satelliten ins All. Die manuellen Starts wurden zu Beginn eines sechsstündigen Außenaufenthalts zweier russischer Kosmonauten vorgenommen. Einer dieser Satelliten, das Modell Tomsk TPU-120, wurde fast vollständig mit einem 3D-Drucker hergestellt.

Am gestrigen Donnerstag schickten die beiden russischen Kosmonauten Fedor Yurchikhin und Sergej Ryazansky den weltweit ersten Satelliten, der fast vollständig mit einem 3D-Drucker gefertigt wurde, auf seine Reise. Ihm folgten zwei weitere Satelliten, die in konventioneller Weise hergestellt wurden. Der 3D-gedruckte Tomsk TPU-120 soll genau wie die anderen beiden Modelle die Erde für etwa sechs Monate umkreisen.

Kosmonaut mit Minisatellit
Der russische Kosmonaut Sergej Ryazansky hält beim Ausstieg aus der ISS einen der drei Minsatelliten in den Händen. (Bild: © NASA via AP)

Damit die Kosmonauten die Satelliten manuell starten konnten, benötigten sie einen neuen State-of-the-Art-Raumanzug, der die Bezeichnung Orlan MKS trägt. Dieser ist mit einem automatisierten thermischen Steuerungssystem sowie einer synthetischen, hermetisch abgedichteten Schale ausgestattet. Nachdem die Ausstiegsklappe des Docking-Bereichs „Pirs“ der am 17. August um 17.45 Uhr Moskauer Zeit geöffnet, wurde, absolvierten die Kosmonauten einen etwa sechsstündigen Außenaufenthalt. Zuerst erfolgte der Start des Testfahrzeugs TS 530-Mirror, dem dann der Tomsk TPU-120 und die beiden Satelliten Tanyusha YuZGU und TNS-0 Nr. 2 folgten.

Sowohl der Tomsk TPU-120 als auch der Tanyusha YuZGU Satellit wurden gemeinsam von Wissenschaftlern der Tomsk Polytechnic University, der Southwest State University in Kursk und RSC Energia entwickelt. Anlass für den Start dieser beiden Satelliten ist der 120. Jahrestag der Tomsker Universität. Weitere Jubiläen, die mit dem Start gefeiert werden sollen, sind der 160. Geburtstag des Weltraumtheoretikers Konstantin Ziolkowski sowie der 60. Jahrestag des Starts des ersten künstlichen Erdsatellitens Sputnik 1 (mancher erinnert sich vielleicht noch an die Hündin Laika, die sich an Bord des Nachfolgemodells Sputnik 2 befand). Nach dem kurzen Ausflug in die Geschichte nun zurück zur Gegenwart.

Sojus-Rakete an ISS.
An die ISS angedockte Sojus-Rakete. (Bild: © roscosmos.ru)

Wissenswertes zu den Satelliten

Sowohl der TNS-0 Nr. 2 als auch der Tomsk TPU-120 gehören zur Klasse der Nanosatelliten (Gewicht zwischen 3 und 30 kg). Der TNS-0 Nr. 2 bringt es auf ein Gewicht von weniger als 4 kg. Der Tomsk TPU-120, dessen Außengehäuse mit einem 3D-Drucker hergestellt wurde, ist ebenfalls sehr leicht und misst gerade einmal 30 x 11 x 11 Zentimeter. Im Inneren sind die Akkus der Satelliten und einige Forschungsinstrumente sowie andere elektronische Bauteile untergebracht. Die Wissenschaftler wollen so herausfinden, wie lange die 3D-gedruckten Teile in der ungewohnten Umgebung standhalten. Zugleich soll er Satellit Grüße in einer Vielzahl an Sprachen zur Erde senden.

Russischer Satellit Tomsk TPU-120
Der Nanosatellit Tomsk TPU-120 wurde fast vollständig mit einem 3D-Drucker hergestellt und startete als erster Satellit direkt von der ISS. (Bild: © NASA via AP)

Sergej Psakhie, der Direktor des Institute of Strength Physics and Materials Science (ISPM) in Tomsk äußerte, dass die Technologie immer kompakter werde. Was früher in größeren Mengen benötigt würde, fällt jetzt wesentlich kleiner aus. Die Entwicklung der Nanosatelliten ist also deutlich vorangeschritten.

Der Trend zu kleineren Satelliten wird nicht abflachen, sondern eher zunehmen. Dazu werden fortschrittliche Technologien wie der 3D-Druck einen erheblichen Beitrag leisten. Der Start des Tomsk TPU-120 ermöglicht es jetzt erstmals, die Technologie im Weltraum zu testen.

Im Juni diesen Jahres gab Stratasys bekannt, bei der Marsmission die Deutsche Weltraumforschung zu unterstützen. Britische Forscher stellten Ende letzten Jahres einen Metall-3D-Drucker vor, der auf der ISS getestet werden soll. Im Sommer 2016 gab die NASA bekannt, in einen 3D-Drucker zu investieren, der Filament auch recyceln kann. In unserer Rubrik Weltraum-3D-Drucker finden Sie noch viele weitere spannende Beiträge zu diesem Thema.

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