"Liberator":

Chronologie – 5 schussfähige Pistolen aus dem 3D-Drucker

 11. September 2014  Andreas Krämer  

Unser gestriger Artikel zum Thema „Einbruchschutz und Sicherheit  – So einfach Schlösser knacken mit dem 3D-Drucker“ hat uns motiviert, ein von Medien und Politik gern genutztes Thema aufzugreifen, welche Gefahr die Entwicklung der 3D-Drucker und damit verbundene Produktion beliebiger Objekte im Privatbereich mit sich bringt. Den 3D-Druck von einem Hammer als Gefahr darzustellen, ist dabei ebenso kritisch zu hinterfragen wie die Herstellung sämtlicher anderer Gegenstände, die zur Missachtung von Recht und Ordnung eingesetzt werden können. Nicht die produzierenden Geräte sind das Problem.

Jeder Baumarkt bietet eine Reihe von Gegenständen, die der Gesellschaft als Gefahr dienen, sofern sie in kriminelle Hände gelangen. Auch bietet jede Hobby-Werkstatt die Möglichkeit zur Produktion von Gegenständen und Waffen, die dem Wohl der Allgemeinheit enorm schaden können. Kontrollieren oder gar verbieten lässt sich das nicht. Und das ist im Grunde auch gut so, denn nicht die Überwachung löst das Problem sondern das Verhindern einer Entwicklung von kriminellen Potenzial in den Köpfen der jeweiligen Menschen.


Mit der Entwicklung der 3D-Drucker, die es ermöglichen beliebige Objekte zu Hause selbst zu produzieren, rückt wieder einmal das Thema innere Sicherheit in den Fokus von Medien und Politikern. Die neue Gefahr lautet „Waffen/ Pistolen aus dem 3D-Drucker“. Während einige bereits den privaten 3D-Druck verteufeln und den 3D-Druck von Pistolen als Argument dafür nehmen, diese innovative Technologie gänzlich in Frage zu stellen, scheitern andere reihenweise an eben genau der Entwicklung eigener schussfähiger Pistolen aus dem 3D-Drucker, so genannter Liberatoren.

Und dennoch gelingt es einigen wenigen einzig mit Hilfe von einem 3D-Drucker schussfähige Pistolen im heimischen Umfeld zu produzieren. Wir haben einmal die Archive der letzten Monate durchgesehen und fünf schussfähige Pistolen aus dem 3D-Drucker ermittelt, die für mediale Aufmerksamkeit sorgten. Den Anfang macht der wohl populärste Liberator von Cody Wilson, der die druckfähigen Dateien ins Internet stellte und somit weltweit für Aufmerksamkeit sorgte.

1. Mai 2013 – Cody Wilson´s Liberator .380 Pistole

Foto Liberator Pistole aus 3D-Drucker
Der Liberator .380 von Cody Wilson – die erste Pistole aus dem 3D-Drucker weltweit (Bild © // University of Texas).

Die Pistole Liberator .380 wurde von Cody Wilson und seiner Firma Defense Distributed mit einem Stratasys SST 3D-Drucker gefertigt. Es handelt sich um eine Einzelschuss-Pistole für .380 ACP-Patronen. Die Dateien für das digitale 3D-Modell der Pistole wurden seit ihrer Veröffentlichung einige tausend Mal heruntergeladen und zahlreiche Anwender druckten darauf basierend ihren eigenen Liberator .380 aus. Nach einer Entscheidung des US-Justizministerium musste Cody Wilson die 3D-Dateien im Internet löschen. Viel zu spät wie sich herausstellte. Die Pistole wurde in der Zwischenzeit mit unterschiedlichen 3D-Druckern hergestellt und ist weit verbreitet. Gedruckt wurde sie sogar mittlerweile auf den immer besser werdenden 3D-Druckern, die im Preissegment unter 1.000 US-Dollar zu finden sind.

2. August 2013 – Grizzly .22 Gewehr

Grizzly Gewehr aus 3D-Drucker
Das Grizzly .22 ist ein schussfähiges Gewehr aus dem 3D-Drucker (Bild © 3dprint.com).

Drei Monate nach Cody Wilsons Pistole „Liberator .380“ fertigte ein Mann namens Mathew ein Gewehr mit einem 3D-Drucker. Das Grizzly .22 Gewehr wurde getestet und explodierte immer wieder in den Armen seines Erfinders. Mathew setzte sich an das Zeichenbrett und entwarf den Nachfolger Grizzly 2.0. Das Gewehr wurde mit einem Stratasys Dimenson e1200 3D-Drucker hergestellt. Nach Abschuss von 14 Patronen bekam die Waffe allerdings Risse und konnte nicht weiter eingesetzt werden.

3. September 2013 – Reprringer Pepperbox .22 Revolver

Liberator "Reprringer V3"
Der Revolver Reprringer V3 ist eine schussfähiger Liberator aus dem 3D-Drucker (Schreenshot © Vimeo; User: Free Dee).

Im September 2013 veröffentlichte Hexen die Blaupausen seines September, 2013 – Reprringer Pepperbox .22 Revolvers. Die Handfeuerwaffe hat eine besonders schmale Abmessungen, kann 5 Patronen abfeuern und verfügt über eine sehr ungenaue Zielgenauigkeit. Es existieren drei Versionen dieses Revolvers deren 3D-Dateien sich leicht finden und herunterladen lassen. Bisher wurde die Waffe mit handelsüblichen Desktop 3D-Druckern hergestellt. Entwickelt wurde der Reprringer Pepperbox .22 Revolver von einem Mann namens Franco. Der Lauf der Waffe besteht aus rostfreien Edelstahl und unterschiedet daher stark von anderen Waffen aus dem 3D-Drucker (Anm.: Auch der Lauf ließe sich mit einem 3D-Metalldrucker drucken. Überlicherweise charakterisiert sich ein Liberator aber aufgrund seiner Materialbeschaffenheit aus Plastik-Filament). Hexen hat den Revolver seitdem verbessert und stellt die 3D-Dateien zum Download zur Verfügung.

4. November 2013 – Browning 1911 Metal Replica

Pistole aus 3D-Drucker in Metall
Die „Browning 1911 Metal Replica“ von Soilid Concepts ist eine schussfähige Pistole aus dem 3D-Metalldrucker (Bild © Solid Concepts).

Das Unternehmen Solid Concepts stellte mit einer Replik einer Browning 1911 Pistole alle anderen aus einem 3D-Drucker entstandenen Handfeuerwaffen in den Schatten. Die Replik wurde mit einem direkten Metall-Sintering-Verfahren hergestellt. Die 45er-Pistole konnte bis heute erfolgreich 600 Schüsse abfeuern. In den nächsten Monaten plant Solid Concepts die Fertigung weiterer Waffen mit Unterstützung eines 3D-Druckers. Die Herstellungskosten für die Browning 1911 Replica beliefen sich auf 1 Million US-Dollar – absolut unwirtschaftlich. Ein kommerzieller Verkauf von 3D-Metallwaffen scheint in naher Zukunft daher kaum möglich zu sein (Linktipp: 3D-Druck im Militär).

5. Mai 2014 – Zig Zag .38 Revolver

Zig Zag Revolver aus 3D-Drucker
Der Zig Zag Revolver, ein schussfähiger Liberator, schaffte es weltweit erstmalig 6 Patronen erfolgreiche abzufeuern (Screenshot © dailymail.co.uk).

Im Mai 2014 wurde ein Japaner mit Namen Yoshitomo Imura verhaftet, weil er ein Video veröffentlicht hatte, in dem er einen Zig Zag .38 Revolver abfeuerte. Der Revolver wurde genauso wie vier weitere Handfeuerwaffen mit einem weniger als 500 US-Dollar teuren FDM-3D-Drucker hergestellt. Die Kapazität des Revolvers beläuft sich auf sechs Kugeln aber Imura versicherte, dass er nur Waffen-Rohlinge verwendete.

In den kommenden Monaten und Jahren werden weitere Pistolen, Waffen und Gewehre auftauchen, die mit 3D-Druckern hergestellt wurden. Die US-Justiz geht streng gegen Bürger vor, die 3D-Waffen fertigen und veranlasste dafür entsprechende Verbote. Die kanadische Regierung plant Gesetze gegen Waffen aus dem 3D-Drucker und in Großbritannien wurde das Waffengesetz bezüglich 3D-Waffen verschärft. Das Bundeskriminalamt in Deutschland warnte im April 2014 erstmals vor dem kriminellen Einsatz von 3D-Druckern. Zu diesem Thema und weiteren Themen rund um den 3D-Druck halten wir Euch wie gewohnt kostenlos in unserem 3D-Drucker-Newsletter auf dem Laufenden → zur Anmeldung

Hilf uns Dinge zu verbessern. Bewerte den Artikel:

0 0

Anzeige

3D-Drucker-Newsletter – kostenlos anmelden:

Teile den Link zu dieser Seite:

Klicken Sie einfach auf das Formularfeld und kopieren Sie sich den Link heraus.

Klicken Sie einfach auf das Formularfeld und kopieren Sie sich den Link heraus.

Klicken Sie einfach auf das Formularfeld und kopieren Sie sich den Link heraus.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.