Gesundheitswesen:

Neunjähriges Mädchen erhält dank 3D-Druck ein neues Ohr

 5. Dezember 2016  Susann Heinze-Wallmeyer  

Das „Royal Hospital for Sick Children“ in der schottischen Hauptstadt Edinburgh nutzte die 3D-Druck-Technologie, um für das neunjährige Mädchen Anya Storie ein neues Ohr anzufertigen. Das Mädchen leidet unter einer angeborenen Mikrotie (Ohrmuschelfehlbildung), die auch Auswirkungen auf ihr Gehör hat.

Da das Krankenhaus die 3D-Druck-Technologie nutzt, wird der plastische Chirurg Ken Stewart ein neues Ohr mit dem 3D-Drucker erschaffen können. Dabei handelt es sich um eine Kopie des intakten linken Ohres. Das neue Ohr selbst wird aus Knorpelmasse, die Anyas Brustkorb entnommen wurde, gebildet und chirurgisch befestigt. Dem Mädchen ist es damit möglich, auf beiden Ohren zu hören.

Anyas Eltern erzählten, dass ihre Tochter aufgrund ihrer Behinderung in der Schule gemobbt wurde, berichtet das britische Magazin „Express“. Sie lies sich dies zwar oft nicht anmerken, aber „es gibt keinen Zweifel, dass das Mobbing ihr Verhalten beeinflusst hat.“ Anyas Eltern hatten schon längere Zeit mit dem 3D-Druck geliebäugelt, wollten aber erst abwarten, wie sich die Technologie weiterentwickelt. Den richtigen Zeitpunkt halten sie nun für gekommen. „Die Herstellung eines Ohres ist ein äußerst schwieriges Unterfangen, aber die Chance, es jetzt mit einem 3D-Scanner und 3D-Drucker möglich zu machen, ist da“, so Anyas Mutter.

Scan des Ohres.
Bereits gespiegelter 3D-Scan des Ohres (Bild © express.co.uk).

Artec 3D-Handscanner fertigt Aufnahmen des linken Ohres

Mit einem Artec 3D-Handscanner wird zuerst ein 3D-Bild von Anyas vollständigem linken Ohr erfasst. Die Krankenhaus-Techniker drehen dann den Scan, um ein Spiegelbild zu erstellen. Die gewonnenen Daten werden dann an das St. John’s Hospital in Livingston übermittelt. Hier fertigt ein 3D-Drucker ein Kunststoff-Modell des gescannten Bildes an.

Das gedruckte Ohr dient dann im OP-Saal als Leitfaden für die Operation. Der Chirurg kann anhand dieser Vorlage das neue Ohr aus Anyas Rippenknorpel modellieren und chirurgisch befestigen.

Die Anschaffung des 3D-Scanners wurde von der „Edinburgh Sick Kids Friends Foundation“ gefördert. Mit diesem Gerät habe sich die Arbeit des Teams deutlich verbessert, so der plastische Chirurg. In diesem Fall können sie die Details des gegenüberliegenden Ohres besser replizieren.

Nachdem das 3D-Modell gedruckt wurde, stehen bei Anya insgesamt drei Operationen an. In der ersten wird die Struktur des neuen Ohres unter der Haut geschaffen. Sobald sich die Haut angepasst hat, fixiert eine zweite OP das aus der Knorpelmasse hergestellte Ersatzohr an der gewünschten Position. Während der dritten OP wird der Gehörgang geöffnet, der es Anya ermöglicht, auch auf diesem Ohr zu hören.

Mädchen mit Modell der Ohrmuschel.
Anya hält das 3D-Modell der rechten Ohrmuschel in der Hand (Bild © express.co.uk).

Ausblick in die Zukunft

Stewart erwartet in Zukunft noch deutlichere Fortschritte bei der medizinischen Verwendung der 3D-Scanner und 3D-Drucktechnologie. Deshalb arbeiten sie unter anderem mit dem „Centre for Regenerative Medicine at Edinburgh University“ zusammen. In Zukunft soll es möglich sein, das Ohr als Matrix zu drucken und mit einer Mischung aus Stammzellen und Knorpelzellen im Labor als Implantat wachsen zu lassen. Wir dürfen also gespannt sein, welche Fortschritte der Einsatz der 3D-Scan- und -Drucktechnologie im Gesundheitswesen mit sich bringt.

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