Wie sieht die Kriminalistik der Zukunft aus? Was ist der „Gerichtssaal der Zukunft“? Die Kriminalistik wird dreidimensional! Drohnen die realistische 3D-Aufnahmen erzeugen, hochwertige 3D-Scans sowie der 3D-Druck werden die moderne Kriminialistik der Zukunft mitbestimmen.

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In einem zweitägigen Workshop zum Thema „Gerichtssaal der Zukunft“ konnten sich Kriminaltechniker, Verkehrspolizisten, Staatsanwälte, Richter, Rechtsanwälte, Rechtsmediziner und Wissenschaftler aus anderen Sparten rund um das Thema „Gerichtssaal der Zukunft“ informieren. Der Workshop fand im Kommunikationszentrum des Deutschen Krebsforschungsinstituts (DKFZ) in Karlsruhe statt, beteiligt waren auch das Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Heidelberg sowie das Interdisziplinäre Zentrum für Wissenschaftliches Rechnen (IWR).

Derzeit liegt der virtuell begehbare Tatort noch in weiter Ferne. Es gibt aber einige Möglichkeiten, die heute schon zum Einsatz kommen. So können Drohnen über Unfallorte fliegen und realistische 3D-Aufnahmen fertigen, modernste radiologische Verfahren ermöglichen beispielsweise die Diagnostik kleinster Verletzungen der Hirnrinde und 3D-Drucker können Gegenstände replizieren.

Mögliches Unfallgeschehen nachstelle

Ursula Buck, ihres Zeichens Vermessungsingenieurin am Institut für Rechtsmedizin sowie der Kantonspolizei Bern zeigt in dem oben genannten Workshop das Video eines tödlich verlaufenen Unfalls. Hier rasten drei Skicrossfahrer den Berg hinunter, verschwinden für kurze Zeit hinter einer Bodenwelle, bevor sie wieder auftauchen. Einer der Skifahrer rast ungebremst in einen Fangzaun und prallt mit dem Kopf in einen direkt daneben befindlichen Schneehügel. Was in der Zwischenzeit geschah, wurde mit modernster Vermessungstechnik ermittelt. Dafür fertigten die Mitarbeiter ein exaktes 3D-Modell der Piste und projizierten die bislang ermittelten Daten der Skifahrer hinein. Dadurch ließ sich feststellen, dass der betroffene Skifahrer nicht abgedrängt wurde.

Möglichkeiten der Kriminalistik

Foto GerichtssaalIm Institut für Rechtsmedizin Bern kommen bereits jetzt kleine Aufklärungsdrohnen, die Fotogrammetrie, GPS-Tachymetrie sowie 3D-Laser- und Oberflächenscanner zum Einsatz, wie die Rhein-Neckar Zeitung berichtet. Dabei greifen diese Methoden, ergänzt um die Radiologie und moderne Informationstechnologien, durchaus ineinander. Auch das wurde an einem Beispiel veranschaulicht: Ein Betrunkener, der auf der Straße lag, wurde von einem Motorrad überrollt. Die radiologischen Aufnahmen des Schädels sowie das angefertigte 3D-Modell, welches die äußeren Verletzungen aufzeigt, ermöglichten eine genaue Verifizierung des Unfallgeschehens.

Die hier vorgefundenen Schäden passten genau zum angefertigten 3D-Modell des Motorradreifens sowie zu dessen Felge. Eine am linken Unterarm des Unfallopfers befindliche Quetschrisswunde entstand durch das Fußpedal des Motorrades. Kriminaltechniker fanden sogar Knochensplitter in der Felge des beteiligten Motorrades. Alle Ergebnisse wurden in 3D-Modelle übertragen und ermöglichten so eine genaue Unfalldarstellung vor Gericht.

Weitere zukunftsweisende Möglichkeiten der Tatortbesichtigung

Bereits heute kommt das Verfahren „Structure from motion“ zum Einsatz. Christian Seitz, Doktorand am IWR, demonstrierte am Beispiel eines Grabfundes, wie diese Technik angewandt wird. Mit einer herkömmlichen Spiegelreflexkamera wurde die Ausgrabungsstätte aus insgesamt 27 verschiedenen Blickwinkeln fotografiert und unter Zuhilfenahme einer 3D-Software zu einem 3D-Modell zusammengebaut. Archäologen können sich so auch Jahre später ein Bild von der Lage des Skelettes machen, sich aber auch dem Fundort aus verschiedenen Richtungen nähern und einzelne Details heranzoomen.

Sandra Peterhans, Mitarbeiterin des Landeskriminalamts Baden-Württemberg, stellte einen Handlaser-3D-Scanner vor, der es ermöglicht, vorhandene Bruchstücke eines Stuhls wieder zusammenzusetzen. Die vorhandenen DNA-Spuren wurden drei Männern zugeordnet, sodass es möglich ist, darzustellen, welches Stück von den Tatverdächtigen oder vom Opfer angefasst wurde.

Der leitende Radiologe am DKFZ, Heinz-Peter Schlemmer, zeigte den Workshopteilnehmern anhand von Beispielen auf, welche Möglichkeiten die Computer- und die Magnetresonanztomografie (auch als Kernspintomografie bezeichnet) für die Kriminalistik darstellen, wie ebenfalls die Rhein-Neckar-Zeitung berichtet. Bei der dreidimensionalen Darstellung eines Schädels wurden die zahlreichen Frakturen, vor allem im Bereich des Unterkiefers und der Schädeldecke, zu erkennen. So war es möglich, Rückschlüsse auf die Gewalteinwirkung zu ziehen. Es besteht mittlerweile auch die Möglichkeit, einzelne CT- oder MRT-Aufnahmen auf ein Smartphone zu übertragen, um so beispielsweise die Meinung anderer Mediziner in Echtzeit einzuholen.

3D-Drucker unterstützen Kriminalistik bei radiologischen Aufnahmen

Früher konnte die Radiologie im Bereich der Kriminalistik nur postmortal genutzt werden. Heutzutage werden diese Verfahren aber auch angewendet, um an Überlebenden gesundheitliche Beeinträchtigungen und Verletzungen zu dokumentieren, die aufgrund einer Straftat entstanden sind. In Zukunft sollen auch 3D-Drucker Verwendung finden, um die radiologischen Aufnahmen für alle Prozessbeteiligten begreifbar zu machen.

Natürlich können längst nicht alle Verfahren an sämtlichen Gerichten Deutschlands zum Einsatz kommen, da hier die technische Ausstattung fehlt. So ist beispielsweise die Möglichkeit, den Tatort virtuell zu begehen, nur in Hochleistungsrechenzentren möglich. Die Erstellung von 3D-Modellen von Verletzungen dürfte hingegen mit keinen großen Schwierigkeiten einhergehen. Sinnvoll wäre es, zumindest einen Gerichtssaal pro Gebäude mit der neuen Technik auszustatten. Aber das ist noch Zukunftsmusik und findet sich daher bei uns in der Kategorie „Zukunft und Visionen“ wieder.

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