In einem Krankenhaus der Ärzte ohne Grenzen in Jordanien wird derzeit erprobt, wie 3D-gedruckte Prothesen Kriegsopfern helfen könnten. Diese sind deutlich leichter und besser in der Handhabung. Die Testphase läuft noch, positive Ergebnisse wurden aber schon erzielt.

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In Jordanien erhalten Kriegsopfer in einem Krankenhaus der „Ärzte ohne Grenzen“ individuelle Prothesen aus dem 3D-Drucker. Die 3D-gedruckten Prothesen sind leicht, lassen sich schnell und kostengünstig herstellen. Vor zwei Jahren nahm laut einem Bericht von Al Jazzera ein Krankenhaus in Amman seine Arbeit mit einem 3D-Projekt auf und untersuchte, wie die Technologie das Leben der Patienten verbessern könnte.

Pierre Moreau scannt Hand eines Patienten
Pierre Moreau scannt die amputierte Hand von einem Patienten (Bild © Elisa Oddone).

Das Krankenhaus der Ärzte ohne Grenzen versorgte Kriegsopfer aus dem gesamten Nahen Osten, die unter Amputationen leiden, mit den 3D-gedruckten Prothesen. Zur Zeit befindet sich das Projekt noch in der Versuchsphase, doch positive Ergebnisse ließen nicht lange auf sich warten. Das Feedback der Patienten hilft, die Prothesen für andere zu verbessern.

Wie Pierre Moreau, der klinische Koordinator für das 3D-Projekt, erzählte, startete die MSF-Stiftung das Projekt im Februar 2017 in Amman. Zwei Monate später wurden die ersten Patienten behandelt. Bislang sind 16 gedruckte Prothesen geliefert worden. Die Patienten werden durch eine Reihe von Ergotherapiesitzungen unterstützt. So sehen sie, was sie mit den Prothesen anfangen können.

3D-Prothesen nur ein Bruchteil der Kosten

Das Krankenhaus in Amman existiert seit zehn Jahren. Viele Patienten aus dem Jemen, Syrien, Irak, Gaza oder anderen Ländern finden dort eine erschwingliche Behandlung. Laut den Patienten sind traditionell hergestellte Prothesen zu schwer und unwirksam für die Bewältigung alltäglicher Aufgaben.

Die Kosten für eine herkömmliche Unterarm-Prothese belaufen sich auf 2.000 US-Dollar (ca. 1.750 Euro). Kommt der 3D-Druck zum Einsatz, dann sind es nur 50 US-Dollar, also umgerechnet rund 44 Euro. Als Material für die Prothesen kommt thermoplastisches Polyurethan zum Einsatz. Die Gesamtkosten für eine Prothese liegen bei 250 US-Dollar (ca. 220 Euro), inklusive der ärztlichen Behandlung, Auswertung und Druckzeit.

Schwester mit Unterarmprothese
Die 3D-Prothesen sind leicht und lassen sich schnell und kostengünstig herstellen (Bild © Elisa Oddone).

3D-Druck in Krisenregionen oft sehr hilfreich – doch es mangelt an Technikern und Wegen dorthin

Von den Ärzten werden 3D-Scanner eingesetzt und die 3D-Prothesen können überall dort hergestellt werden, wo ein 3D-Drucker zur Verfügung steht. Der Preis dürfte nach Einschätzung der Ärzte mit der Entwicklung neuer Materialien und preiswerter 3D-Drucker sinken.

Nach Angaben von Moreau sei es die Idee, künftig Prothesen aus dem 3D-Drucker an schwer erreichbaren Orten und ohne solides Gesundheitssystem, wie in Konfliktregionen, herzustellen. Der Weg dorthin sei wegen den hohen Preise der 3D-Drucker schwierig, ebenso seien Techniker in diesem Bereich schwer zu finden.

Angebot für 3D-gedruckte Prothesen stark am wachsen

3D-Scan eines Arms
Laut den Patienten sind traditionell hergestellte Prothesen zu schwer und unpraktisch bei der Bewältigung alltäglicher Aufgaben (Bild © Elisa Oddone).

Über 3D-gedruckte Prothesen haben wir schon öfter berichtet. Der norddeutsche Jungunternehmer Philipp Barluschke hat zum Beispiel Unterarmprothesen mit einem 3D-Drucker entwickelt. Das britische Start-up hingegen hat sich auf 3D-gedruckte Prothese für Babys und Kinder spezialisiert. Und auch das namhafte deutsche Unternehmen Otto Bock setzt bei der Fertigung seiner professionellen Prothesen mittlerweile auf die 3D-Drucktechnologie. Eine vollständige Übersicht der Beiträge zu dem Thema bietet unsere Themenseite „Prothesen aus dem 3D-Drucker“ und regelmäßig neu und immer kostenlose unser 3D-Drucker-Newsletter (hier abonnieren).

 

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